Das versunkene Kloster
1843Ein Kloster ist versunken Tief in den wilden See, Die Nonnen sind ertrunken Zusamt dem Pater, weh! Der Nixen muntre Scharen, Sie schwimmen stracks herbei, Nun einmal zu erfahren, Was in den Mauern sei.
Das plätschert und das rauschet In Kreuzgang und Dorment! Am Lokutorium lauschet Der schäkernde Konvent; Man hört Gesang im Chore Und lustig Orgelspiel; Das Glöcklein ruft zur Hore, Wann′s ihnen just gefiel.
Bei heitrem Vollmondglanze Lockt sie der grüne Strand Zu einem Ringeltanze In geistlichem Gewand; Die weißen Schleier flattern, Die schwarzen Stolen wehn, Die Kerzenflämmchen knattern, Wie sie im Sprung sich drehn.
Der Kobold dort im Schutte Der hohlen Felsenwand, Er nimmt des Paters Kutte, Die er am Ufer fand; Die Tänzerinnen schreckend, Kommt er zur Mummerei, Sie aber tauchen neckend Hinab in die Abtei.
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Interpretation
Das Gedicht "Das versunkene Kloster" von Ludwig Uhland erzählt von einem untergegangenen Kloster, das tief in einem wilden See versunken ist. Die Nonnen und der Pater ertranken tragisch mit dem Kloster. Die Nixen, muntere Wassergeister, schwimmen neugierig herbei, um zu erfahren, was sich in den Mauern des versunkenen Klosters verbirgt. In der zweiten Strophe wird das Treiben der Nixen im Kloster beschrieben. Es plätschert und rauscht in Kreuzgang und Dormitorium. Der Konvent lauscht im Lokutorium, man hört Gesang im Chor und lustiges Orgelspiel. Das Glöcklein ruft zur Hore, wann es ihnen gerade gefällt. Die Nixen haben das Kloster zu ihrem neuen Domizil gemacht und feiern ausgelassene Feste. Bei heiterem Vollmondglanz lockt der grüne Strand die Nixen zu einem Ringeltanz in geistlichem Gewand. Die weißen Schleier flattern, die schwarzen Stolen wehen, die Kerzenflammen knistern, während sie sich im Sprung drehen. Ein Kobold findet die Kutte des Paters am Ufer und erschreckt die tanzenden Nixen damit. Doch diese tauchen neckend hinab in die Abtei und setzen ihr nächtliches Treiben fort.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Ein Kloster ist versunken
- Anapher
- Das plätschert und das rauschet
- Bildsprache
- Die weißen Schleier flattern, Die schwarzen Stolen wehn
- Ironie
- Wann's ihnen just gefiel
- Kontrast
- Bei heitrem Vollmondglanze
- Metapher
- Tief in den wilden See
- Onomatopoesie
- Das plätschert und das rauschet
- Personifikation
- Der Kobold dort im Schutte
- Symbolik
- Die Kerzenflämmchen knattern