Das Vergißmeinnicht
1870Sinniges Blümchen, Blaues Vergißmeinnicht, Entpflückt dem leise Murmelnden Bach Von Mädchenhand, Tränenbetaut Unterm Abschiedskuß Dem scheidenden Liebsten gegeben, - Hast eine Seele du? Riß die Holde Grausam Dich aus bachumrieseltem Blumenleben? Fühltest du schmerzlich Die pflückende Hand? Starbest du Von nährender Wurzel Geknickt? Himmelblau, Wie zuvor, Noch schimmert dein Aug′! –
In ein Wasserglas Stellt dich der Knabe, Kaum daß er das Ränzel An den Nagel gehängt:
Und frisch bleibst du, Blühend Als wenn noch Wurzelnd du ständest im Bach.
Oft zur Sehnsuchtsstunde Der Dämmerung Nimmt er dich aus dem Glase, Betrachtet dich innig, Liebesbote du, Von ihrer Hand Mit Tränen benetzt, Gewandert in seine. —
Die Linke im braunen Gelock, Ans Fenster sich lehnend, So sieht er mit sehnendem Blick Hinaus in die Gegend, Wo weit dahinten Sein Liebchen weilt. Seine Gedanken gehen Weit die Giebel hinüber, Die Türme und Mauern der Stadt Weit, weit hinweg, Bis wo in stiller Kammer Ein Mägdlein steht am Fenster, Und Tränen der Wehmut Im Auge Ins blassende Abendrot sieht… Jetzt, Vergißmeinnicht, Streift dich sein Auge, Er küßt anstatt der lieben Geberin dich. Fühltest du seinen Kuß, Blume der Treue, Zürnst du der Maid, Daß dein Leben sie kürzte, Das nun bald welkende? Oder lispelst Ihre Mahnung Dem Jüngling zu, Ihr Tränenwort: “Vergiß nicht mein!”
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Interpretation
Das Gedicht "Das Vergißmeinnicht" von Peter Hille erzählt die Geschichte eines kleinen blauen Blumen, das von einem Mädchen am Bach gepflückt und ihrem Liebsten mit Tränen in den Augen geschenkt wird. Die Blume wird zum Symbol der Treue und der Sehnsucht, als der Junge sie in einem Wasserglas aufbewahrt und bei jedem Anblick an seine Geliebte denkt. Die Interpretation des Gedichts könnte sich auf die Themen Liebe, Abschied und Erinnerung konzentrieren. Die Blume, die ihre Farbe und Frische behält, obwohl sie aus ihrem natürlichen Lebensraum gerissen wurde, symbolisiert die Beständigkeit der Liebe und der Erinnerung an die Geliebte, trotz der physischen Trennung. Das Vergissmeinnicht wird zum treuen Boten der Liebe und erinnert den Jungen daran, seine Geliebte nicht zu vergessen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Murmelnden Bach
- Anapher
- Und frisch bleibst du, Blühend Als wenn noch Wurzelnd du ständest im Bach
- Anspielung
- Vergiß nicht mein!
- Bildsprache
- Himmelblau, Wie zuvor, Noch schimmert dein Aug′!
- Hyperbel
- Weit, weit hinweg
- Kontrast
- Kaum daß er das Ränzel An den Nagel gehängt
- Metapher
- Tränenbetaut
- Personifikation
- Hast eine Seele du?
- Symbolik
- Vergißmeinnicht, als Symbol der Treue
- Vergleich
- Wie zuvor