Das Unendliche

Giacomo Graf Leopardi

1798

Lieb war mir stets hier der verlass′ne Hügel und diese Hecke, die vom fernsten Umkreis so viel vor meinem Blick verborgen hält. Doch hinter ihr - wenn ich so sitze, schaue, endlose Weiten, formt sich dort mein Denken, ein Schweigen, wie es Menschen nicht vermögen, und tiefste Ruhe; da verlernt die Seele das Fürchten bald. Und wenn des Windes Rauschen durch diese Bäume geht, halt ich die Stimme dem Schweigen, dem unendlichen, entgegen, ihm zum Vergleich: des Ewigen gedenk ich, der toten Jahreszeiten und der einen, die heute lebt und tönt. Und so versinken im Unermeßlichen mir die Gedanken, und Schiffbruch ist mir süß in diesem Meere.

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Illustration zu Das Unendliche

Interpretation

Das Gedicht "Das Unendliche" von Giacomo Graf Leopardi handelt von der Sehnsucht des lyrischen Ichs nach dem Unendlichen und der Weite der Natur. Der Sprecher sitzt auf einem Hügel, umgeben von einer Hecke, die den Blick auf die Ferne versperrt. Doch hinter der Hecke erahnt er die unendlichen Weiten, die seinen Gedanken Raum geben. Die Stille und Ruhe, die er dort empfindet, lassen seine Seele das Fürchten vergessen. Das Rauschen des Windes in den Bäumen wird zum Vergleich mit dem unendlichen Schweigen. Es erinnert den Sprecher an die Ewigkeit, an die vergangenen Jahreszeiten und an die Gegenwart, die noch lebt und klingt. In diesem Moment versinken seine Gedanken im Unermeßlichen, und er empfindet einen süßen Schiffbruch im Meer der Unendlichkeit. Das Gedicht vermittelt eine tiefe Sehnsucht nach dem Unendlichen und der Überwindung der Grenzen des menschlichen Daseins.

Schlüsselwörter

schweigen lieb stets verlass hügel hecke fernsten umkreis

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Stilmittel

Metapher
und Schiffbruch ist mir süß in diesem Meere
Personifikation
ein Schweigen, wie es Menschen nicht vermögen