Das trunkne Lied
1844O Mensch! Gib, acht! Was spricht die tiefe Mitternacht? “Ich schlief, ich schlief - aus tiefem Traum bin ich erwacht: - Die Welt ist tief, und tiefer als der Tag gedacht. Tief ist ihr Weh -, Lust - tiefer noch als Herzeleid: Weh spricht: vergeh! doch alle Lust will Ewigkeit -, - will tiefe, tiefe Ewigkeit
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Interpretation
Das Gedicht "Das trunkne Lied" von Friedrich Nietzsche ist eine tiefgründige Auseinandersetzung mit der Natur des Daseins und der menschlichen Erfahrung. Es beginnt mit einer Frage an die Menschheit, die zum Nachdenken anregt und den Leser in eine nächtliche, introspektive Stimmung versetzt. Die tiefe Mitternacht wird als eine Stimme dargestellt, die aus dem Schlaf erwacht und eine Offenbarung über die Welt bringt. Die Welt wird als tiefgründig beschrieben, tiefer als der Tag es vermuten lässt. Diese Tiefe ist nicht nur positiv, sondern birgt auch ein tiefes Leid in sich. Das Gedicht stellt eine paradoxe Beziehung zwischen Leid und Lust her, indem es sagt, dass die Lust noch tiefer ist als das Herzeleid. Diese Aussage deutet auf eine Komplexität menschlicher Emotionen hin, bei der das Leid und die Lust ineinander verwoben sind. Der letzte Teil des Gedichts bringt eine Wendung, indem er sagt, dass das Leid zum Vergehen aufruft, während die Lust nach Ewigkeit strebt. Dies könnte als eine Metapher für den menschlichen Wunsch nach Beständigkeit und Unsterblichkeit interpretiert werden, trotz der Vergänglichkeit des Lebens. Die wiederholte Betonung der "tiefen, tiefen Ewigkeit" unterstreicht das menschliche Streben nach einem Zustand, der über das zeitliche Dasein hinausgeht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- O Mensch! Gib, acht! / Was spricht die tiefe Mitternacht? / Ich schlief, ich schlief - / aus tiefem Traum bin ich erwacht: - / Die Welt ist tief, / und tiefer als der Tag gedacht. / Tief ist ihr Weh -, / Lust - tiefer noch als Herzeleid: / Weh spricht: vergeh! / doch alle Lust will Ewigkeit -, / - will tiefe, tiefe Ewigkeit
- Metapher
- Die Welt ist tief, und tiefer als der Tag gedacht
- Paradox
- Lust - tiefer noch als Herzeleid
- Parallelismus
- Ich schlief, ich schlief - aus tiefem Traum bin ich erwacht: - / Die Welt ist tief, und tiefer als der Tag gedacht. / Tief ist ihr Weh -, / Lust - tiefer noch als Herzeleid: / Weh spricht: vergeh! / doch alle Lust will Ewigkeit -, / - will tiefe, tiefe Ewigkeit
- Personifikation
- Weh spricht: vergeh!
- Wiederholung
- tiefe, tiefe Ewigkeit