Das tote Kind

Conrad Ferdinand Meyer

1898

Es hat den Garten sich zum Freund gemacht, Dann welkten es und er im Herbste sacht, Die Sonne ging, und es und er entschlief, Gehüllt in eine Decke weiss und tief.

Jetzt ist der Garten unversehns erwacht, Die Kleine schlummert fest in ihrer Nacht. - “Wo steckst du?” summt es dort und summt es hier. Der ganze Garten frägt nach ihr, nach ihr.

Die blaue Winde klettert schlank empor Und blickt ins Haus: “Komm hinterm Schrank hervor! Wo birgst du dich? Du tust dirs selbst zuleid! Was hast du für ein neues Sommerkleid?”

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Illustration zu Das tote Kind

Interpretation

Das Gedicht "Das tote Kind" von Conrad Ferdinand Meyer erzählt von einem kleinen Mädchen, das sich mit einem Garten angefreundet hat. Im Herbst welkten sowohl das Kind als auch der Garten, und sie fielen in einen tiefen, schneebedeckten Schlaf. Während der Garten im Frühling erwacht und voller Leben ist, schlummert das Mädchen weiter in ihrem ewigen Schlaf. Der zweite Teil des Gedichts beschreibt, wie der Garten nach dem erwachten Mädchen ruft. Es scheint, als ob die Natur selbst nach dem Kind verlangt und es nicht akzeptieren kann, dass es nicht mehr da ist. Die Pflanzen und Tiere im Garten fragen nach ihr und laden sie ein, wiederzukommen. Die blaue Winde, eine Pflanze, die sich am Haus emporrankt, blickt hinein und ruft das Mädchen. Sie fragt, wo es sich versteckt hat und warum es sich selbst leidtut. Die Winde erwähnt auch ein neues Sommerkleid, was darauf hindeutet, dass das Mädchen sich auf den Frühling und den Sommer gefreut haben könnte, aber diese Freude nun für immer verloren ist.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
"Wo steckst du?" summt es dort und summt es hier
Metapher
Was hast du für ein neues Sommerkleid?
Personifikation
Wo birgst du dich? Du tust dirs selbst zuleid!