Das taube Mütterlein

Friedrich Halm

1806

Wer öffnet leise Schloß und Thür? Wer schleicht in´s Haus herein? Es ist der Sohn, der wiederkehrt Zum tauben Mütterlein.

Er tritt hinein! sie hört ihn nicht, Sie saß am Herd und spann; Da tritt er grüßend vor sie hin, Und spricht sie: Mutter, an.

Und wie er spricht, so blickt sie auf, Und - wundervoll Geschick - Sie ist nicht taub dem milden Wort, Sie hört ihn mit dem Blick!

Sie thut die Arme weit ihm auf, Und er drückt sich hinein, Da hörte seines Herzens Schlag Das taube Mütterlein.

Und wie sie nun beim Sohne sitzt So selig, so verklärt - Ich wette, daß taub Mütterlein Die Englein singen hört.

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Illustration zu Das taube Mütterlein

Interpretation

Das Gedicht "Das taube Mütterlein" von Friedrich Halm erzählt die bewegende Geschichte eines Sohnes, der heimlich zu seiner tauben Mutter zurückkehrt. In drei Strophen beschreibt der Dichter, wie der Sohn leise ins Haus eindringt und seiner Mutter gegenübersteht, die am Herd sitzt und spinnend beschäftigt ist. Obwohl die Mutter taub ist, hört sie ihren Sohn mit den Augen, als er sie anspricht, und ihre Reaktion ist voller Zärtlichkeit und Liebe. Die zweite Strophe zeigt die emotionale Begegnung zwischen Mutter und Sohn. Die Mutter öffnet ihre Arme weit, um ihren Sohn zu umarmen, und in diesem Moment hört sie das Schlagen seines Herzens. Die Geste der Umarmung und das Hören des Herzschlags symbolisieren die tiefe Verbundenheit zwischen Mutter und Kind, die über die Grenzen der Taubheit hinausgeht. Die letzte Strophe beschreibt das glückliche Zusammensein von Mutter und Sohn, das als "selig" und "verklärt" dargestellt wird. Der Dichter schließt mit einer poetischen Aussage, dass die taube Mutter die Engel singen hört, was ihre tiefe spirituelle Erfahrung und die Schönheit des Moments betont. Das Gedicht vermittelt eine Botschaft der Liebe, der Wiedersehensfreude und der übernatürlichen Wahrnehmung, die über die physischen Sinne hinausgeht.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Wer öffnet leise Schloß und Thür
Ironie
Ich wette, daß taub Mütterlein Die Englein singen hört
Kontrast
Sie ist nicht taub dem milden Wort
Metapher
Sie hört ihn mit dem Blick
Personifikation
Wer öffnet leise Schloß und Thür?
Symbolik
Das taube Mütterlein
Wiederholung
Das taube Mütterlein