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Das Spiel

Von

In schäbigen Sesseln frechgeschminkte Weiber,
In deren Blick ein süsslich Lächeln girrt,
Geziert bewegen sie die magren Leiber,
Juwel und Gold an ihren Ohren klirrt.

Am Spieltisch rings Gesichter fahl, verbissen.
Zahnlose Kiefer, leichenblass der Mund,
Zitternde Finger, hin und her gerissen,
Fiebrisch durchwühlend leerer Taschen Grund.

Am schmutzigen Plafond die bleichen Lichter
Erhellen nur mit einer trüben Glut
Die finstren Stirnen der berühmten Dichter,
Die hier vergeuden ihren Schweiss, ihr Blut.

Dies ist das schwarze Bild, das oft in Träumen
Vor meinem klaren Blick mich selbst enthüllt,
Ich seh′ mich stumm und kalt in schmutzigen Räumen
Die Arme aufgestützt, von Neid erfüllt.

Voll Neid auf dieser Männer zähe Triebe,
Auf dieser Weiber finstre Lustigkeit,
Die schamlos hier verkaufen ihre Liebe
Und eines alten Ruhms Unsterblichkeit.

Wirr schreck′ ich auf. – Wie könnt′ ich sie beneiden,
Die ′s in den Abgrund reisst mit blinder Wut,
Die lieber Qualen als den Tod erleiden
Und lieber als das Nichts der Hölle Glut.

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Das Spiel von Charles-Pierre Baudelaire

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Das Spiel“ von Charles-Pierre Baudelaire entwirft ein düsteres Bild des Spiels und seiner verheerenden Auswirkungen auf die menschliche Seele. Baudelaire präsentiert uns eine Szene von Verfall und Zerstörung, in der die Protagonisten in den Abgrund getrieben werden. Das Gedicht beginnt mit einer Beschreibung der Umgebung: „schäbige Sessel“, „frechgeschminkte Weiber“ und das „süsslich Lächeln“. Diese Worte vermitteln sofort ein Gefühl von Dekadenz und Verkommenheit. Die äußere Erscheinung der Anwesenden spiegelt ihren inneren Zustand wider: leere Augen, magere Leiber und das Klirren von Juwelen und Gold, die als bloße Ablenkung von der inneren Leere dienen.

Im zweiten Teil des Gedichts wird die Atmosphäre noch beklemmender. Der Spieltisch wird zum Zentrum des Verderbens, wo Gesichter „fahl, verbissen“ sind und „zahnlose Kiefer“ das Alter und den Verlust an Lebensfreude verdeutlichen. Die „zitternden Finger“ und das „fiebrisch Durchwühlen leerer Taschen“ symbolisieren die Hoffnungslosigkeit und die Sucht, die das Spiel auslöst. Die „schmutzigen Räume“ werden von „bleichen Lichtern“ schwach beleuchtet, was die Tristesse und die Hoffnungslosigkeit der Szene noch verstärkt. Sogar „berühmte Dichter“ finden sich hier wieder, die ihr Talent und ihre Energie im Spiel verschwenden.

Der dritte Teil des Gedichts wechselt in eine introspektive Reflexion des lyrischen Ichs. Die Szene wird zu einem Spiegel, der die eigenen Ängste und Sehnsüchte widerspiegelt. Das Ich sieht sich selbst „stumm und kalt in schmutzigen Räumen“ und „von Neid erfüllt“. Der Neid bezieht sich auf die scheinbare Lebenskraft der anderen, aber auch auf ihre Fähigkeit, sich dem Spiel und seinen Konsequenzen hinzugeben. Die scheinbare „Lustigkeit“ der Frauen und die „zähen Triebe“ der Männer sind letztendlich aber nur Fassaden für das Elend, das sie empfinden.

Der letzte Teil des Gedichts enthüllt die Erkenntnis des lyrischen Ichs über die wahre Natur des Spiels und seiner Spieler. Es erwacht aus dem Traum und erkennt, dass es die Protagonisten nicht wirklich beneiden kann. Denn sie werden in den Abgrund gerissen, „mit blinder Wut“, und ziehen die Qualen der Hölle dem Nichts vor. Die abschließenden Zeilen verdeutlichen die Verzweiflung und die Sinnlosigkeit, die das Spiel mit sich bringt, und stellen die Frage nach dem Wert der menschlichen Existenz in einer Welt, in der der Abgrund lockt. Das Gedicht ist somit eine tiefgründige Auseinandersetzung mit der menschlichen Natur, der Sucht und dem Verfall, der durch das Spiel symbolisiert wird.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.