Das Schwabenmädchen
1787Ich Mädchen bin aus Schwaben, Und braun ist mein Gesicht; Der Sachsenmädchen Gaben Besitz′ ich freilich nicht.
Die können Bücher lesen, Den Wieland, und den Gleim; Und ihr Gezier und Wesen Ist süß wie Honigseim.
Der Spott, mit dem sie stechen, Ist scharf wie Nadelspitz; Der Witz, mit dem sie sprechen, Ist nur Romanenwitz.
Mir fehlt zwar diese Gabe, Fein bin ich nicht und schlau; Doch kriegt ein braver Schwabe An mir ′ne brave Frau.
Das Tändeln, Schreiben, Lesen Macht Mädchen widerlich; Der Mann, für mich erlesen, Der liest einmal für mich.
Ha, Jüngling, bist aus Schwaben? Liebst du dein Vaterland? So komm, du sollst mich haben. Schau hier ist meine Hand!
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Interpretation
Das Gedicht "Das Schwabenmädchen" von Christian Friedrich Daniel Schubart handelt von einem selbstbewussten Mädchen aus Schwaben, das sich von den sächsisch-adeligen Mädchen abgrenzt. Die Sprecherin beschreibt sich als braun und einfach, im Gegensatz zu den gebildeten und feinen Mädchen aus Sachsen, die lesen und schreiben können und mit ihrem Witz und ihrer Schärfe glänzen. Die Schwäbin betont jedoch ihre eigenen Werte und Tugenden. Sie ist zwar nicht gebildet und fein, aber sie ist eine "braves Frau" für einen "braven Schwaben". Sie lehnt das "Tändeln, Schreiben, Lesen" ab, das sie als widerlich empfindet, und bevorzugt einen Mann, der für sie liest, anstatt selbst zu lesen. Das Gedicht endet mit einer direkten Ansprache an einen "Jüngling aus Schwaben", der sein Vaterland liebt. Die Schwäbin bietet ihm ihre Hand an und fordert ihn auf, sie zu heiraten. Damit unterstreicht sie ihre traditionellen Werte und ihre Verbundenheit mit ihrer Heimat.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Das Tändeln, Schreiben, Lesen Macht Mädchen widerlich;
- Hyperbel
- Der Mann, für mich erlesen, Der liest einmal für mich.
- Kontrast
- Ich Mädchen bin aus Schwaben, Und braun ist mein Gesicht; Der Sachsenmädchen Gaben Besitz' ich freilich nicht.
- Metapher
- Und ihr Gezier und Wesen Ist süß wie Honigseim.
- Personifikation
- Der Mann, für mich erlesen, Der liest einmal für mich.
- Vergleich
- Der Spott, mit dem sie stechen, Ist scharf wie Nadelspitz