Das schöne große Taggestirne
1815Das schöne große Taggestirne Vollendet seinen Lauf; Komm wisch den Schweiß mir von der Stirne, Lieb Weib, und denn tisch auf!
Kannst hier nur auf der Erde decken, Hier unterm Apfelbaum; Da pflegt es abends gut zu schmecken, Und ist am besten Raum.
Und rufe flugs die kleinen Gäste, Denn hör, mich hungert´s sehr; Bring auch den kleinsten aus dem Neste, Wenn er nicht schläft, mit her.
Dem König bringt man viel zu Tische; Er, wie die Rede geht, Hat alle Tage Fleich und Fische Und Panzen und Pastet;
Und ist ein eigner Mann erlesen, Von andrer Arbeit frei, Der ordert ihm sein Tafelwesen Und präsidiert dabei.
Gott laß ihm alles wohl gedeihen! Er hat auch viel zu tun, Und muß sich Tag und Nacht kasteien, Daß wir in Frieden ruhn.
Und haben wir nicht Herrenfutter; So haben wir doch Brot, Und schöne, frische, reine Butter, Und Milch, was denn für Not?
Das ist genug für Bauersleute, Wir danken Gott dafür, Und halten offne Tafel heute Vor allen Sternen hier.
Es präsidiert bei unserm Mahle Der Mond, so silberrein! Und kuckt von oben in die Schale Und tut den Segen h´nein.
Nun Kinder esset, eßt mit Freuden, Und Gott gesegn es euch! Sieh, Mond! ich bin wohl zu beneiden, Bin glücklich und bin reich!
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Interpretation
Das Gedicht "Das schöne große Taggestirne" von Matthias Claudius beschreibt die Freude und Dankbarkeit eines einfachen Bauern, der nach einem anstrengenden Tag seine Familie um sich versammelt, um gemeinsam zu essen. Die Szene spielt unter einem Apfelbaum, was die Natürlichkeit und Einfachheit des Lebens betont. Der Bauer lädt seine Familie ein, sich zum Abendessen zu setzen und zeigt sich zufrieden mit dem, was er hat. Er kontrastiert sein bescheidenes Mahl mit dem üppigen Speiseplan des Königs, der viele Diener und Bedienstete um sich hat. Doch der Bauer betont, dass er trotzdem dankbar für sein Brot, seine Butter und Milch ist und sich nicht mit dem König vergleichen möchte. Das Gedicht endet mit einer poetischen Beschreibung des Mondes, der über dem Tisch "präsidiert" und den Segen erteilt. Der Bauer drückt seine Zufriedenheit und sein Glück aus, umgeben von seiner Familie und genügsam mit dem, was er hat. Er fühlt sich reich, obwohl er nicht viel besitzt, und dankt Gott für sein einfaches, aber erfülltes Leben.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anrede
- Die direkte Ansprache an die 'Lieb Weib' und die Kinder.
- Ausruf
- Der Ausruf 'Gott laß ihm alles wohl gedeihen!' als Ausdruck der Hoffnung und des Wohlwollens.
- Bildsprache
- Die Beschreibung des Abendmahls unter dem Apfelbaum mit 'schöner, frischer, reiner Butter und Milch'.
- Hyperbel
- Der König 'hat alle Tage Fleich und Fische und Panzen und Pastet'.
- Ironie
- Die Ironie in der Aussage 'Es präsidiert bei unserm Mahle Der Mond, so silberrein!' im Gegensatz zum königlichen Präsidium.
- Kontrast
- Der Vergleich zwischen dem einfachen Bauernmahl und dem königlichen Festmahl.
- Metapher
- Das 'Taggestirne' als Metapher für die Sonne.
- Personifikation
- Der Mond 'kuckt von oben in die Schale' und 'tut den Segen h'nein'.
- Symbolik
- Der Apfelbaum als Symbol für einfache, natürliche Freuden.
- Vergleich
- Der Vergleich des Bauernmahls mit dem königlichen Festmahl.