Das Schlossfräulein

Ernst Ziel

1841

In den lauen Lenzestagen Wehn im Wald die Lüfte weich; Lerchen singen, Drosseln schlagen, Busch und Baum stehn blütenreich, Und der Schwan zieht leis und leise Auf dem Weiher seine Kreise, Dem die Welle silbern schwoll. Zeit der Düfte, Zeit der Rosen, Wo die Lüfte lauer kosen, Sprich, was all dein Locken soll?

Und vom Schloss das Fräulein wonnig, Hoch an Wuchs an Gliedern sein. Morgenfrisch und lenzessonnig Schreitet leichtgeschürzt waldein. O von zwanzig Sommern hangen Glut und Lust ihr auf den Wangen! Sinnig lacht der Mond dazu. Zeit der Düfte, Zeit der Rosen, Wo die Lüfte lauer kosen, Sie ist just so schön wie du.

Und vom Strauche Ros’ um Rose Bricht sie mit der weißen Hand, Mischt sie leise, flicht sie lose, Schlingt darum ein duftig Band. Küsst sie dann mit heißem Sehnen, Ach! und lächelnd unter Tränen Flüstert seinen Namen sie. Zeit der Düfte, Zeit der Rosen, Wo die Lüfte lauer kosen, Schwändest, traute, du doch nie!

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Illustration zu Das Schlossfräulein

Interpretation

Das Gedicht "Das Schlossfräulein" von Ernst Ziel beschreibt eine junge, schöne Frau, die in den lauen Frühlingstagen durch den Wald spaziert. Die Natur wird in voller Blüte und Duftpracht dargestellt, mit singenden Vögeln und blühenden Büschen und Bäumen. Die junge Frau wird als hochgewachsen und anmutig beschrieben, mit glühenden Wangen voller Leidenschaft und Lust. Sie wirkt so schön wie der Frühling selbst. Die junge Frau pflückt Rosen und flechtet sich ein duftiges Band. Dabei küsst sie die Rosen mit heißem Sehnen und flüstert den Namen eines Geliebten. Es wird deutlich, dass sie verliebt ist und an ihren Liebsten denkt. Die Rosen symbolisieren ihre Liebe und Sehnsucht. Im letzten Vers wendet sich die lyrische Sprecherin direkt an den Frühling und bittet ihn, nicht zu vergehen. Sie möchte, dass die schöne, verliebte Stimmung und Atmosphäre des Frühlings anhält. Das Gedicht vermittelt eine Stimmung von Frühlingserwachen, junger Liebe und Sehnsucht. Die Natur und die junge Frau verschmelzen zu einem harmonischen Ganzen voller Schönheit und Leidenschaft.

Schlüsselwörter

zeit lüfte düfte rosen lauer kosen leise lauen

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Stilmittel

Alliteration
Lerchen singen, Drosseln schlagen
Anapher
Zeit der Düfte, Zeit der Rosen
Bildlichkeit
In den lauen Lenzestagen Wehn im Wald die Lüfte weich
Metapher
Und der Schwan zieht leis und leise Auf dem Weiher seine Kreise
Personifikation
Wo die Lüfte lauer kosen
Symbolik
Zeit der Düfte, Zeit der Rosen