Das Schilf

Annette von Droste-Hülshoff

1848

»Stille, er schläft! stille, stille! Libelle, reg′ die Schwingen sacht, Daß nicht das Goldgewebe schrille, Und, Ufergrün, halt gute Wacht, Kein Kieselchen laß niederfallen. Er schläft auf seinem Wolkenflaum Und über ihn läßt säuselnd wallen Das Laubgewölb′ der alte Baum; Hoch oben, wo die Sonne glüht, Wieget der Vogel seine Flügel, Und wie ein schlüpfend Fischlein zieht Sein Schatten durch des Teiches Spiegel. Stille, stille! er hat sich geregt, Ein fallend Reis hat ihn bewegt, Das grad zum Nest der Hänfling trug: Su, Su! breit′, Ast, dein grünes Tuch — Su, Su! nun schläft er fest genug.«

Anhören

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Das Schilf

Interpretation

Das Gedicht "Das Schilf" von Annette von Droste-Hülshoff beschreibt eine friedliche Szene, in der ein schlafendes Wesen behütet und beschützt wird. Die Natur selbst scheint den Schlafenden zu bewachen und darauf zu achten, dass er nicht gestört wird. Libellen, das Ufer und der Baum über ihm tragen dazu bei, eine ruhige Atmosphäre zu schaffen. Die Stille und die Vorsicht, mit der sich die Natur verhält, unterstreichen die Bedeutung des Schlafenden. Jeder Laut und jede Bewegung wird vermieden, um den Schlaf nicht zu stören. Selbst die Sonne und die Vögel scheinen sich dem Schlafenden anzupassen und ihre Aktivitäten entsprechend anzupassen. Am Ende des Gedichts erwacht der Schlafende kurzzeitig, als ein Reis ins Nest des Hänflings fällt. Doch die Natur reagiert schnell und bedeckt ihn erneut mit ihrem grünen Tuch, sodass er wieder fest einschlafen kann. Das Gedicht vermittelt eine Atmosphäre von Geborgenheit und Schutz, in der die Natur den Schlafenden umhüllt und behütet.

Schlüsselwörter

stille schläft libelle reg schwingen sacht goldgewebe schrille

Wortwolke

Wortwolke zu Das Schilf

Stilmittel

Alliteration
Ast, dein grünes Tuch
Anapher
»Stille, er schläft! stille, stille!«
Metapher
Wolkenflaum
Onomatopoesie
Su, Su!
Personifikation
Daß nicht das Goldgewebe schrille
Vergleich
Und wie ein schlüpfend Fischlein zieht