Das Rosenband

Friedrich Gottlieb Klopstock

1724

Im Frühlingsschatten fand ich sie; da band ich sie mit Rosenbändern: sie fühlt′ es nicht und schlummerte.

Ich sah sie an; mein Leben hing mit diesem Blick an ihrem Leben; ich fühlt′ es wohl und wußt′ es nicht.

Doch lispelt′ ich ihr sprachlos zu und rauschte mit den Rosenbändern: da wachte sie vom Schlummer auf.

Sie sah mich an; ihr Leben hing mit diesem Blick an meinem Leben, und um uns ward′s Elysium.

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Interpretation

Das Gedicht "Das Rosenband" von Friedrich Gottlieb Klopstock beschreibt eine zarte und innige Begegnung zwischen zwei Liebenden im Frühlingsschatten. Der Sprecher findet die schlafende Geliebte und schmückt sie mit Rosenbändern, ohne dass sie es bemerkt. Dieses stille und zärtliche Handeln symbolisiert die tiefe Verbundenheit und die unausgesprochene Zuneigung zwischen den beiden. In der zweiten Strophe spiegelt sich die Intensität der Gefühle in dem Blick des Sprechers wider, der an das Leben der Geliebten geheftet ist. Obwohl er die Tragweite seiner Emotionen nicht bewusst wahrnimmt, spürt er eine tiefe Verbundenheit. Diese unbewusste Intensität unterstreicht die Natürlichkeit und Tiefe der Liebe, die über bewusste Kontrolle hinausgeht. Als der Sprecher schließlich durch sanfte Worte und das Rascheln der Rosenbänder die Geliebte weckt, entsteht ein Moment der gegenseitigen Erkenntnis. Der Blick der Geliebten, der nun ebenso an das Leben des Sprechers geheftet ist, vollendet die Symbiose ihrer Gefühle. Der letzte Satz, der von Elysium spricht, deutet darauf hin, dass ihre Liebe einen Zustand vollkommener Glückseligkeit und Harmonie erreicht hat, der über das Alltägliche hinausgeht.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Rosenbändern
Bildsprache
Im Frühlingsschatten fand ich sie
Kontrast
Sie wachte vom Schlummer auf / Ich war sprachlos
Metapher
Elysium um uns
Parallelismus
Sie fühlt' es nicht und schlummerte / Ich fühlte es wohl und wußte es nicht
Personifikation
Der Blick hängt am Leben
Symbolik
Rosenbänder als Symbol der Liebe