Das Ritterpferd und der Klepper
1754Ein kriegerisches Pferd, die Lust der Ritterschaft, War würdig seiner Zucht, und freudig, voller Kraft, War gleich an Muth und Kunst, an Dauer und Vermögen, Zog aus, und wieherte Geharnischten entgegen, Und spottete der Furcht. Es hatt′ aus Feld und Schlacht, Und Wettlauf und Turnier stets Ehre heimgebracht. Kopf, Schenkel, Farb′ und Huf war schön an ihm zu nennen; Doch zog sein zweiter Herr, beim ersten Ringelrennen, Ihm Hans, den Klepper, vor. Sogar der Sattelknecht Belacht des Junkers Wahl, und heißt sie ungerecht. Ein alter Reiter sieht′s, und seufzt, daß, auch in Pferden, Verdienste schlecht erkannt, und nicht vergolten werden. Der Junker bricht den Hals. Es kömmt das Pferd zuletzt In eines Fürsten Stall, der es nach Würden schätzt. Der Alte hört′s, und lacht, und spricht: Man darf nur leben: Verdiensten muß die Zeit Recht und Belohnung geben.
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Interpretation
Das Gedicht "Das Ritterpferd und der Klepper" von Friedrich von Hagedorn handelt von einem edlen und tapferen Kriegspferd, das stets Ehre und Anerkennung erworben hat. Es wird als perfekt in seiner Art beschrieben, mit schönen Proportionen und einer beeindruckenden Erscheinung. Doch obwohl es all diese Vorzüge besitzt, wird es von seinem jungen Herrn zugunsten eines weniger wertvollen Pferdes namens Hans, dem Klepper, vernachlässigt. Die zweite Strophe verdeutlicht die Ungerechtigkeit dieser Entscheidung. Der Sattelknecht belächelt die Wahl des Jungen und hält sie für ungerecht, während ein alter Reiter seufzt, dass auch bei Pferden Verdienste oft schlecht erkannt und nicht angemessen belohnt werden. Dies zeigt, dass die Vernachlässigung des edlen Pferdes nicht nur für dieses selbst, sondern auch für diejenigen, die seine Qualitäten zu schätzen wissen, ein bedauerlicher Umstand ist. In der dritten Strophe erfährt der Leser, dass der Junker bei einem Ringelrennen einen Unfall erleidet und sich das Genick bricht. Das edle Pferd gelangt schließlich in den Stall eines Fürsten, der es nach seinen Verdiensten wertschätzt. Der alte Reiter, der von dieser Entwicklung erfährt, lacht und sagt, dass man nur leben müsse, da die Zeit Verdiensten schließlich Recht und Belohnung geben werde. Dies deutet darauf hin, dass sich die Ungerechtigkeit am Ende doch noch ausgleicht und das edle Pferd die Anerkennung erhält, die ihm zusteht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Allegorie
- Verdiensten muß die Zeit Recht und Belohnung geben
- Hyperbel
- War gleich an Muth und Kunst, an Dauer und Vermögen
- Ironie
- Doch zog sein zweiter Herr, beim ersten Ringelrennen, Ihm Hans, den Klepper, vor
- Kontrast
- Verdienste schlecht erkannt, und nicht vergolten werden
- Metapher
- Die Lust der Ritterschaft
- Personifikation
- Ein kriegerisches Pferd, die Lust der Ritterschaft
- Vergleich
- Kopf, Schenkel, Farb′ und Huf war schön an ihm zu nennen