Das Reh und der Hund

Friedrich von Hagedorn

1754

Ein zartes Reh, das gar zu sicher ruht, Erhascht ein Hund, der keinen Dickigt scheute. Er beißt es an, leckt das vergoss′ne Blut, Und küßt zugleich die angenehme Beute. Da seufzt das Wild: Welch′ Mitleid rühret dich? Du kömmst als Feind, und raubest mir das Leben, Und mir willst du doch solche Küsse geben, Als wäre dir kein Freund so lieb, als ich? Ich bitte sehr, hör′ auf mit deinen Bissen; Wo nicht, verschone mich mit Küssen.

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Illustration zu Das Reh und der Hund

Interpretation

Das Gedicht "Das Reh und der Hund" von Friedrich von Hagedorn erzählt von einer tragischen Begegnung zwischen einem zarten Reh und einem Hund. Das Reh, das sich zu sicher fühlt, wird von dem Hund überrascht und angegriffen. Der Hund beißt das Reh, leckt sein Blut und küsst es gleichzeitig, was eine seltsame Mischung aus Gewalt und Zuneigung darstellt. Das Reh, das unter Schmerzen leidet, stellt dem Hund eine rhetorische Frage nach seinem Mitgefühl. Es ist verwirrt über die widersprüchlichen Handlungen des Hundes: Er kommt als Feind, raubt ihm das Leben, will ihm aber gleichzeitig Küsse geben, als wäre es sein liebster Freund. Das Reh bittet den Hund, entweder aufzuhören zu beißen oder es wenigstens von den Küssen zu verschonen. Das Gedicht thematisiert die Ambivalenz von Beziehungen und die Unberechenbarkeit des Lebens. Es zeigt, wie jemand, der einem nahesteht, plötzlich zum Feind werden kann und wie Gewalt und Zuneigung oft Hand in Hand gehen. Das Reh symbolisiert die Unschuld und Verletzlichkeit, während der Hund die unvorhersehbaren und widersprüchlichen Aspekte der menschlichen Natur repräsentiert.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Ironie
Du kömmst als Feind, und raubest mir das Leben, Und mir willst du doch solche Küsse geben
Kontrast
Er beißt es an, leckt das vergoss′ne Blut, Und küßt zugleich die angenehme Beute
Metapher
Ein zartes Reh, das gar zu sicher ruht
Personifikation
Erhascht ein Hund, der keinen Dickigt scheute
Rhetorische Frage
Welch′ Mitleid rühret dich?