Das Rechte und Schlechte
1791Mit frechen Feinden kriegen, Und sie nur stets besiegen, Das wär schon recht! Doch ohn ein Schwert zu ziehen, Nur immer, immer fliehen, Ei, das ist schlecht!
Mit immer tapfern Kämpfen, Des Feindes Rachgier dämpfen, Das wär schon recht! Mit Planen, die nichts taugen, Das Land nur auszusaugen, Ei, das ist schlecht!
Wenn Schurken sich beraten, Und Leut und Land verraten, Das ist nicht recht! Doch sie zu pensionieren, Statt zu arkebusieren, Ei, das ist schlecht!
Im Siebenjährgen Kriege Hatt man sehr wenig Siege, Das war nicht recht! Doch jetzt so schrecklich kriegen, Und auch nicht einmal siegen, Ei, das ist schlecht!
Dem Lande Frieden schenken Und Leut und Land bedenken, Das wär schon recht! Doch jetzo Friede schließen, Draus kann nichts Guts entsprießen, Nein, das ist schlecht!
Wenn man nun reformierte Und alles weiser führte, Dann wärs schon recht! Doch bleibt es noch beim alten, Und läßt man Schurken schalten, Ei, dann ists schlecht!
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Interpretation
Das Gedicht "Das Rechte und Schlechte" von Franz Grillparzer ist eine scharfe Kritik an der politischen und militärischen Lage seiner Zeit. Es kontrastiert idealisierte Handlungen, die "schon recht" wären, mit den tatsächlichen, als "schlecht" bezeichneten Zuständen. Das Gedicht beklagt die Unfähigkeit, Feinde mutig zu bekämpfen und stattdessen nur zu fliehen, sowie die Ausbeutung des Landes durch nutzlose Pläne anstelle von mutigen Kämpfen. Es verurteilt die Verräterei von Schurken und die unzureichende Bestrafung solcher Taten, wobei es die Pensionierung von Verrätern anstelle ihrer Hinrichtung als besonders schlimm ansieht. Das Gedicht bezieht sich auch auf den Siebenjährigen Krieg, in dem es nur wenige Siege gab, und kritisiert die aktuelle Lage, in der trotz schrecklicher Kämpfe kein Sieg errungen wird. Es fordert Frieden und Rücksichtnahme auf das Land und die Menschen, sieht aber den aktuellen Friedensschluss als nutzlos an, da nichts Gutes daraus entstehen kann. Das Gedicht schließt mit der Hoffnung auf Reformen und weisere Führung, warnt aber davor, dass der Fortbestand der alten Zustände und die Macht der Schurken die Lage nur verschlechtern werden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Mit frechen Feinden kriegen, Und sie nur stets besiegen, Das wär schon recht! Doch ohn ein Schwert zu ziehen, Nur immer, immer fliehen, Ei, das ist schlecht!
- Antithese
- Dem Lande Frieden schenken Und Leut und Land bedenken, Das wär schon recht! Doch jetzo Friede schließen, Draus kann nichts Guts entsprießen, Nein, das ist schlecht!
- Kontrast
- Mit frechen Feinden kriegen, Und sie nur stets besiegen, Das wär schon recht! Doch ohn ein Schwert zu ziehen, Nur immer, immer fliehen, Ei, das ist schlecht!
- Metapher
- Mit Planen, die nichts taugen, Das Land nur auszusaugen
- Parallelismus
- Mit immer tapfern Kämpfen, Des Feindes Rachgier dämpfen, Das wär schon recht! Mit Planen, die nichts taugen, Das Land nur auszusaugen, Ei, das ist schlecht!
- Wiederholung
- Das wär schon recht! Ei, das ist schlecht!