Das Parterre spricht
1832Strenge Fräulein zu begrüßen, Muß ich mich bequemen; Mit der lüderlichen Süßen Werd ich′s leichter nehmen.
Auf der Bühne lieb ich droben Keine Redumschweife; Soll ich denn am Ende loben, Was ich nicht begreife?
Lose, faßliche Gebärden Können mich verführen; Lieber will ich schlechter werden Als mich ennuyieren.
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Interpretation
Das Gedicht "Das Parterre spricht" von Johann Wolfgang von Goethe zeigt die Perspektive des Publikums im Parterre, dem untersten Rang eines Theaters. Der Sprecher, vermutlich ein Vertreter des einfachen Volkstyps, äußert seine Vorlieben und Abneigungen bezüglich des Theaterbesuchs. Er gesteht, dass er höfliche Damen zwar begrüßen muss, aber eine lockere und ungezwungene Atmosphäre bevorzugt. Auf der Bühne schätzt er keine langatmigen Reden oder komplizierten Handlungen, sondern klare und verständliche Gebärden. Der Sprecher betont, dass er lieber schlechter unterhalten wird, als sich zu langweilen. Die Sprache des Gedichts ist einfach und direkt, was die bodenständige Natur des Parterre-Publikums widerspiegelt. Goethe verwendet Reime und einen regelmäßigen Rhythmus, um den gesprächigen Ton des Gedichts zu unterstreichen. Die Metapher des Parterres als Sprecher verleiht dem Gedicht eine satirische Note, da es die Kluft zwischen dem einfachen Volk und der gehobenen Gesellschaft aufzeigt. Goethe kritisiert subtil die elitäre Kunst und fordert eine zugänglichere und unterhaltsamere Form des Theaters. Das Gedicht reflektiert auch die gesellschaftlichen Normen und Erwartungen der Zeit. Der Sprecher fühlt sich verpflichtet, höfliche Damen zu begrüßen, auch wenn er eine lockere Atmosphäre bevorzugt. Dies zeigt die Hierarchie und Etikette, die in der Gesellschaft vorherrschten. Goethe nutzt das Gedicht, um die Spannung zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und persönlichen Vorlieben aufzuzeigen und die Bedeutung von Unterhaltung und Verständlichkeit in der Kunst zu betonen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Antithese
- Lieber will ich schlechter werden / Als mich ennuyieren
- Kontrast
- Strenge Fräulein zu begrüßen / Mit der lüderlichen Süßen
- Metapher
- Strenge Fräulein
- Parallelismus
- Lose, faßliche Gebärden / Können mich verführen
- Personifikation
- Das Parterre spricht
- Rhetorische Frage
- Soll ich denn am Ende loben, / Was ich nicht begreife?