Das Opfer

Gustav Sack

1920

Diesmal sollst du noch entrinnen, heil aus meinen Händen schlüpfen, morgen werd ich dich einspinnen, dich an meine Feder knüpfen,

nackt auf meine Feder spießen werde ich dein kleines Herz, Licht soll von ihm niederfließen strömend ewig tiefenwärts,

schüren wirst du ihre Glut, daß du meine Fackel wirst, bis in unsrer Feuerflut Feder sowie Herz zerbirst.

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Illustration zu Das Opfer

Interpretation

Das Gedicht "Das Opfer" von Gustav Sack beschreibt eine Transformation und letztendliche Zerstörung durch Feuer und Licht. Die Sprecherin nimmt das Opfer zunächst gefangen, um es dann in einen Prozess der Einbindung und Kontrolle zu überführen. Der Akt des "Einspinnens" und "Anknüpfens" an die Feder deutet auf eine gewaltsame Unterwerfung hin, bei der das Opfer seiner Freiheit beraubt wird. In der zweiten Strophe wird das Herz des Opfers metaphorisch aufgespießt, was eine tiefe Verletzung und Ausbeutung symbolisiert. Das Herz, als Quelle des Lebens und der Emotionen, wird zur Lichtquelle, die "strömend ewig tiefenwärts" fließt. Dieses Bild deutet auf eine unendliche Ausbreitung des Lichts hin, das sowohl Schönheit als auch Schmerz birgt. Die Glut, die durch das Opfer geschürt wird, verwandelt es in eine Fackel, ein Symbol für Erleuchtung und Leidenschaft, aber auch für Vergänglichkeit. Die letzte Strophe kulminiert in der Zerstörung durch die "Feuerflut", in der sowohl Feder als auch Herz zerbirst. Dieses Bild verweist auf die Unausweichlichkeit des Untergangs, der durch die Intensität des Feuers herbeigeführt wird. Das Gedicht endet mit einer Vision der Auflösung, in der die Grenzen zwischen dem Opfer und der Sprecherin verschwimmen und beide in der gemeinsamen Flamme aufgehen.

Schlüsselwörter

feder herz wirst diesmal sollst entrinnen heil händen

Wortwolke

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Stilmittel

Metapher
in unsrer Feuerflut
Personifikation
schüren wirst du ihre Glut