Das nächtliche Hornblasen
1799Allnächtlich bläst ein Hirt im Ort Als trieb er die Kühe zur Weide fort; Doch keiner hat ihn je gesehn, Man hört den Klang im Winde verwehn, in Meereslüften. Doch in den Ställen hie und da Brüllt Stier und Kuh, so fern wie nah, Die Pferde wiehern, als fühlten sie Drang Zu folgen dem lockenden Weideklang des Wunderhorns.
Man sagt, daß es des Meeresmanns sei, Der rufe für sich die Herde herbei. – Man hörte vor Jahren den gleichen Klang, Eh Büsums Kühe das Meer verschlang,das ungestüme.
Es sprang am Morgen hoch herauf, Und umrann sie in wildem Wellenlauf; Der Hirt, er konnte sich retten kaum, Und was er erzählte, erschien ein Traum vom Mann im Meere.
Drum meidet ihr Hirten all den Strand, Treibt weiter hinein ins grüne Land, Am Bache hinauf zum lustigen Wald, Wo das wirre Meeresgeräusch verhallt, wo die Vögel singen.
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Interpretation
Das Gedicht "Das nächtliche Hornblasen" von August Kopisch handelt von einem geheimnisvollen Hirt, der jede Nacht ein Horn bläst, um die Kühe zur Weide zu rufen. Doch niemand hat ihn je gesehen, nur der Klang des Horns ist im Wind zu hören. In den Ställen reagieren die Tiere auf den Klang, als ob sie von einem magischen Ruf angezogen werden. Es wird gemunkelt, dass es der Meeresmann ist, der seine Herde herbeiruft. Vor Jahren, als Büsum von einer ungestümen Flut überflutet wurde, hörte man denselben Klang. Der Hirt konnte sich nur knapp retten und erzählte von einem Traum vom Mann im Meere. Aus Angst vor einer Wiederholung des Unglücks meiden die Hirten nun den Strand und treiben ihre Herden ins grüne Land, weg vom wirren Meeresgeräusch, wo die Vögel singen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Brüllt Stier und Kuh, so fern wie nah
- Hyperbel
- Das ungestüme
- Metapher
- Das wirre Meeresgeräusch verhallt
- Personifikation
- Und umrann sie in wildem Wellenlauf
- Symbolik
- Das Wunderhorn