Das Mühlrad

Hanns von Gumppenberg

1866

Das Rad, wie sichs hebt Mit wuchtigen Hieben! Es scheint belebt - Und es wird nur getrieben.

Die strömende Welt Geht drüber im Schwalle: Das funkelt und fällt - So narrt es uns alle.

Wie blitzt es und blinkt Im Perlengetraufel! Doch sinkt es und sinkt Von Schaufel zu Schaufel,

Bis fließend verging Ein Lasten, ein Freuen, Des Rades Ring Sich neigt einem Neuen.

Schau’, wie sichs dreht! Das Ding ist heiter - Es geht und geht, Und kommt doch nicht weiter.

Wir wollen hinauf In höhere Sphären - Und wollen im Lauf Zur Erde doch kehren,

Im Siegerglanz Ein Herz uns erstreben, Nur, um uns dann ganz Dem Herzen zu geben;

Wir wollen ein Gut, Das reichste der Sonnen, Und lassen der Brut All’ was wir gewonnen:

Wir wollen das Glück In Zukunftsweiten - Und wollen zurück In die Kinderzeiten!

Wir wollen? es will - Wer weiß, ob wir wollen? Wir stünden wohl still! Doch die Wasser rollen.

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Illustration zu Das Mühlrad

Interpretation

Das Gedicht "Das Mühlrad" von Hanns von Gumppenberg beschreibt die scheinbar sinnlose Bewegung eines Mühlrades, das zwar aktiv erscheint, aber lediglich von außen angetrieben wird. Die "strömende Welt" fließt darüber hinweg, und das Rad funktelt und glitzert, täuscht uns jedoch mit seiner scheinbaren Lebendigkeit. Es sinkt von Schaufel zu Schaufel, bis sein Lauf einem Neuen weicht, und dreht sich immer weiter, ohne wirklich voranzukommen. Das Gedicht zieht eine Parallele zwischen dem Mühlrad und dem menschlichen Streben nach Höherem. Die Menschen wollen aufsteigen in höhere Sphären, im Lauf zur Erde zurückkehren, ein Herz in Siegerpracht erstreben und es dann ganz dem Herzen zu geben. Sie wollen das größte Gut der Sonnen erlangen, aber der Brut alles überlassen, was sie gewonnen haben. Sie streben nach Glück in weite Zukunft und möchten zurück in die Kinderzeiten. Doch die Frage bleibt, ob sie dies wirklich wollen oder ob sie nur dem unaufhaltsamen Fluss des Lebens folgen, der sie unweigerlich vorwärts treibt.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

Wortwolke zu Das Mühlrad

Stilmittel

Alliteration
Das funkelt und fällt - So narrt es uns alle.
Bildsprache
Wie blitzt es und blinkt Im Perlengetraufel
Enjambement
Bis fließend verging Ein Lasten, ein Freuen
Hyperbel
Wir wollen ein Gut, Das reichste der Sonnen
Kontrast
Es geht und geht, Und kommt doch nicht weiter
Metapher
Die strömende Welt Geht drüber im Schwalle
Oxymoron
Und wollen zurück In die Kinderzeiten
Parallelismus
Im Siegerglanz Ein Herz uns erstreben, Nur, um uns dann ganz Dem Herzen zu geben
Personifikation
Das Rad, wie sichs hebt Mit wuchtigen Hieben! Es scheint belebt
Rhetorische Frage
Wir wollen? es will - Wer weiß, ob wir wollen?
Wiederholung
Wir wollen