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Das Mühlrad

Von

Das Rad, wie sichs hebt
Mit wuchtigen Hieben!
Es scheint belebt –
Und es wird nur getrieben.

Die strömende Welt
Geht drüber im Schwalle:
Das funkelt und fällt –
So narrt es uns alle.

Wie blitzt es und blinkt
Im Perlengetraufel!
Doch sinkt es und sinkt
Von Schaufel zu Schaufel,

Bis fließend verging
Ein Lasten, ein Freuen,
Des Rades Ring
Sich neigt einem Neuen.

Schau‘, wie sichs dreht!
Das Ding ist heiter –
Es geht und geht,
Und kommt doch nicht weiter.

Wir wollen hinauf
In höhere Sphären –
Und wollen im Lauf
Zur Erde doch kehren,

Im Siegerglanz
Ein Herz uns erstreben,
Nur, um uns dann ganz
Dem Herzen zu geben;

Wir wollen ein Gut,
Das reichste der Sonnen,
Und lassen der Brut
All‘ was wir gewonnen:

Wir wollen das Glück
In Zukunftsweiten –
Und wollen zurück
In die Kinderzeiten!

Wir wollen? es will –
Wer weiß, ob wir wollen?
Wir stünden wohl still!
Doch die Wasser rollen.

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Das Mühlrad von Hanns von Gumppenberg

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Das Mühlrad“ von Hanns von Gumppenberg ist eine tiefgründige Reflexion über die menschliche Existenz, dargestellt durch die Metapher eines sich ständig drehenden Mühlrads. Es deutet die scheinbare Bewegung und Aktivität des Rads als Sinnbild für das Leben des Menschen, das von äußeren Einflüssen angetrieben wird, ohne jedoch wirklich voranzukommen oder einen bleibenden Wert zu schaffen. Das Gedicht beginnt mit einer Beschreibung des Rads und seiner Bewegungen, um dann eine Parallele zur menschlichen Erfahrung zu ziehen, wo Wünsche und Sehnsüchte in einem ewigen Kreislauf gefangen sind.

Die zweite Strophe vertieft das Motiv, indem sie das Spiel von Licht und Schatten, das durch das herabfallende Wasser entsteht, hervorhebt. Diese Elemente verdeutlichen die Vergänglichkeit und das Illusionäre des Lebens. Das „funkelt und fällt“ des Wassers symbolisiert die flüchtigen Freuden und Erfahrungen, die uns im Leben begegnen. Das Rad sinkt und sinkt, repräsentiert das unaufhörliche Weitergehen, ohne einen greifbaren Fortschritt. Die dritte Strophe veranschaulicht, wie alles, was wir erfahren – Freude, Leid, Errungenschaften – am Ende im Fluss der Zeit verschwindet. Das „Lasten, ein Freuen“ wird Teil des Kreislaufs, der sich immer wieder erneuert. Der Hinweis auf das „Neue“ unterstreicht die Wiederholbarkeit und das Fehlen eines finalen Ziels.

In den weiteren Strophen werden die menschlichen Ambitionen und Wünsche thematisiert. Wir streben nach Glück, Liebe und Besitz, doch alles scheint vergeblich. Die Sehnsucht nach höheren Zielen, nach Ruhm und nach Erfüllung, wird der Realität des ewigen Kreislaufs gegenübergestellt. Wir wollen „hinauf“, doch kehren zur Erde zurück; wir wollen ein „Herz uns erstreben“, um es am Ende doch wieder hinzugeben. Die letzte Strophe drückt die resignierende Erkenntnis aus, dass wir oft nicht die Kontrolle über unser Leben haben. Ob wir etwas wollen oder nicht, die „Wasser rollen“ und der Kreislauf setzt sich unaufhaltsam fort.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Gumppenbergs Gedicht eine melancholische Betrachtung über die menschliche Existenz bietet. Es verdeutlicht das Paradox von Bewegung und Stillstand, von Streben und Scheitern. Durch die Metapher des Mühlrads werden die Vergänglichkeit, die Wiederholung und die scheinbare Sinnlosigkeit vieler menschlicher Bemühungen dargestellt. Es ist eine Mahnung an die Einsicht, dass das Leben oft ein Kreislauf ist, in dem wir, wie das Rad, angetrieben werden, ohne letztendlich voranzukommen.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.