Das Moor
1920Oh du Geliebte, wenn ich je gedächte, dich einem Erdendinge zu vergleichen, so wählte ich den Berg unzähliger Leichen, so wählte ich das Moor und seine Nächte.
Du schmutziger Knäuel bodenloser Schächte verborgen unter sammetseidenweichen und tief türkisenblaun Nymphäenteichen - daß dich dein eigener Gestank umbrächte!
Denn arg hast du mein Tölpelherz verführt mit deiner glatten Haut Melancholie und deinem gramdurchtränkten Liebesschwure
und mitternachts mir einen Trank gerührt aus Kot, Gestank und Teufelspoesie - vergib mir! - oh vergib mir, große Hure!
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Interpretation
Das Gedicht "Das Moor" von Gustav Sack ist ein intensives und düsteres Liebesgedicht, das die Geliebte mit einem Moor vergleicht. Der Sprecher wählt diese Metapher, um die Tiefe und das Geheimnis der Liebe auszudrücken, aber auch um ihre zerstörerische Natur zu betonen. Das Moor symbolisiert hier eine tiefe, dunkle und möglicherweise gefährliche Leidenschaft, die den Sprecher in ihren Bann zieht. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Geliebte als "schmutziger Knäuel bodenloser Schächte" beschrieben, verborgen unter scheinbar idyllischen Teichen. Dies unterstreicht die Dualität der Liebe - die äußere Schönheit und der innere Schmutz. Der Sprecher fühlt sich von der "glatten Haut Melancholie" und dem "gramdurchtränkten Liebesschwure" der Geliebten verführt, was auf eine Liebe hindeutet, die von Traurigkeit und Schmerz durchdrungen ist. Das Gedicht endet mit einer Art Beichte, in der der Sprecher um Vergebung bittet. Er erkennt an, dass die Liebe, die ihm die Geliebte gegeben hat, aus "Kot, Gestank und Teufelspoesie" besteht. Dies könnte als eine Anerkennung der zerstörerischen Natur dieser Leidenschaft interpretiert werden. Die Verwendung des Wortes "Hure" am Ende des Gedichts unterstreicht die Intensität der Gefühle und die Ambivalenz der Liebe, die sowohl verlockend als auch verderblich ist.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anrede
- vergib mir! - oh vergib mir, große Hure!
- Apostrophe
- Oh du Geliebte
- Hyperbel
- arg hast du mein Tölpelherz verführt
- Metapher
- Trank aus Kot, Gestank und Teufelspoesie
- Personifikation
- daß dich dein eigener Gestank umbrächte