Das Meer

Klabund

1890

Ich schwelle in meiner Flut über die Erde. Es wirft meine wilde Welle Tang an den Strand, Muscheln, violette Quallen und kleine Seepferde.

Aber der Ekel zischt, daß ich mich gezeigt. Ich krieche in mich zurück, Und der Nordwind schweigt.

Ebbe ist… Kinder gehen, sammeln, suchen Und sehen Krabben, nasse Sterne, Erstaunlichstes Getier.

Ich aber bin längst in der Ferne wieder bei mir.

Und was ich an den Strand warf, stirbt in der Luft Oder in des Menschen Hand. - Nur die Taschenkrebse graben sich Mit ihren Scheren in den Sand. Sechs Stunden warten sie bis zur nächsten Flut. - Die Taschenkrebse kennen mich gut.

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Illustration zu Das Meer

Interpretation

Das Gedicht "Das Meer" von Klabund beschreibt die Natur des Meeres als ein lebendiges, fast bewusstes Wesen, das sich in seiner Macht und Größe zeigt. Das Meer wird als eine Kraft dargestellt, die mit Wucht an den Strand brandet und dabei Tang, Muscheln, violette Quallen und kleine Seepferde zurücklässt. Doch wenn der Ekel zischt, zieht sich das Meer zurück, und der Nordwind schweigt. Dies deutet auf eine Art Scham oder Verletzlichkeit hin, die das Meer empfindet, wenn es sich zeigt. Die Ebbe wird als eine Zeit der Entdeckung und des Staunens beschrieben, in der Kinder am Strand Krabben, nasse Sterne und erstaunliches Getier finden. Währenddessen ist das Meer bereits in der Ferne und bei sich selbst. Die Dinge, die das Meer an den Strand warf, sterben in der Luft oder in der Hand des Menschen, was auf die Vergänglichkeit und die Auswirkungen menschlicher Eingriffe hinweist. Nur die Taschenkrebse überleben, indem sie sich mit ihren Scheren in den Sand graben und sechs Stunden auf die nächste Flut warten. Dies zeigt ihre Anpassungsfähigkeit und ihr tiefes Verständnis für die Rhythmen des Meeres. Das Gedicht vermittelt eine tiefe Verbundenheit zwischen dem Meer und seinen Bewohnern, insbesondere den Taschenkrebsen, die das Meer am besten kennen. Es thematisiert auch die Vergänglichkeit des Lebens und die Auswirkungen menschlicher Eingriffe auf die Natur. Die Bilder und Metaphern, die Klabund verwendet, schaffen eine poetische und nachdenkliche Atmosphäre, die den Leser zum Nachdenken über die Beziehung zwischen Mensch und Natur anregt.

Schlüsselwörter

flut strand taschenkrebse schwelle erde wirft wilde welle

Wortwolke

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Stilmittel

bildsprache
nasse Sterne, Erstaunlichstes Getier
metapher
stirbt in der Luft oder in des Menschen Hand
personifikation
Die Taschenkrebse kennen mich gut