Das Mädchen von Orleans

Friedrich von Schiller

1759

Das edle Bild der Menschheit zu verhöhnen, Im tiefsten Staube wälzte dich der Spott; Krieg führt der Witz auf ewig mit dem Schönen, Er glaubt nicht an den Engel und den Gott; Dem Herzen will er seine Schätze rauben, Den Wahn bekriegt er und verletzt den Glauben.

Doch, wie du selbst, aus kindlichem Geschlechte, Selbst eine fromme Schäferin, wie du, Reicht ihr die Dichtkunst ihre Götterrechte, Schwingt sich mit dir den ew′gen Sternen zu. Mit einer Glorie hat sie dich umgeben, Dich schuf das Herz, du wirst unsterblich leben.

Es liebt die Welt das Strahlende zu schwärzen, Und das Erhabne in den Staub zu ziehn; Doch fürchte nicht! Es gibt noch schöne Herzen, Die für das Hohe, Herrliche entglühn. Den lauten Markt mag Momus unterhalten; En edler Sinn liebt edlere Gestalten.

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Illustration zu Das Mädchen von Orleans

Interpretation

Das Gedicht "Das Mädchen von Orleans" von Friedrich von Schiller ist eine Hommage an Jeanne d'Arc, die als Symbol für Reinheit und Heldentum steht. Schiller beschreibt, wie die Gesellschaft oft das Edle und Schöne verspottet und in den Staub zieht, indem sie den Glauben und die Schönheit angreift. Der Witz und die Kritik werden als Waffen dargestellt, die gegen das Ideale und Göttliche gerichtet sind, um das Herz seiner Schätze zu berauben und den Glauben zu verletzen. Doch Schiller betont, dass die Dichtkunst, ähnlich wie Jeanne d'Arc selbst, aus einem reinen und frommen Ursprung kommt. Die Poesie erhebt das Mädchen von Orleans zu einem göttlichen Status, umgeben von einer Glorie, die sie unsterblich macht. Das Herz schafft sie, und durch die Kunst wird sie zu einem ewigen Stern, der über die Kritik und den Spott hinauslebt. Schiller schließt mit der Zuversicht, dass es trotz der Neigung der Welt, das Strahlende zu verdunkeln, immer noch edle Herzen gibt, die das Hohe und Herrliche bewundern. Während die Massen sich von der Vulgarität unterhalten lassen, bleibt der edle Sinn den edleren Gestalten treu. Das Gedicht ist somit eine Verteidigung der Reinheit und des Heroismus gegen die Verachtung der Welt.

Schlüsselwörter

herzen selbst liebt edle bild menschheit verhöhnen tiefsten

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Selbst eine fromme Schäferin, wie du
Gegensatz
En edler Sinn liebt edlere Gestalten
Hyperbel
Mit einer Glorie hat sie dich umgeben
Metapher
Den lauten Markt mag Momus unterhalten
Personifikation
Es liebt die Welt das Strahlende zu schwärzen
Symbolik
ew′gen Sternen