Das Mädchen von dreizehn
1868Jung bin ich und unerfahren, Wie man fangen und bewahren Und der losen Ränke voll Weilen nun, dann fliehen soll.
Noch kann ich mich nicht verstellen, Weiß mit Blicken trüben hellen Nicht zu spielen; nur der Lust Schlägt die unentweihte Brust.
Will von euch mich keiner nehmen, Weil ich gut noch bin und schämen Des Verrathes noch mich kann? Sieht mich arme keiner an?
Wartet ja nicht, bis zu lügen Ich gelernet und zu trügen! Für den ersten möcht’ ich stehn, Andre könnt’ ich hintergehn!
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Interpretation
Das Gedicht "Das Mädchen von dreizehn" von Heinrich Christian Boie thematisiert die Unschuld und Naivität eines jungen Mädchens, das sich der Komplexität erwachsener Beziehungen noch nicht bewusst ist. In den ersten Strophen beschreibt das Mädchen seine Unerfahrenheit und seine Unfähigkeit, die manipulativen Taktiken zu verstehen, die oft in der Liebe angewendet werden. Es betont seine Reinheit und seinen unverdorbenen Charakter, der noch nicht von den Spielen der Liebe befleckt ist. In der zweiten Hälfte des Gedichts drückt das Mädchen seine Verwirrung und Unsicherheit aus. Es fragt sich, ob es von den Männern abgelehnt wird, weil es noch zu gut und zu unschuldig ist, um die Kunst des Verstellens und der Täuschung zu beherrschen. Das Mädchen scheint zu befürchten, dass es als naiv und unerfahren angesehen wird, was dazu führen könnte, dass es von potenziellen Verehrern übersehen wird. Das Gedicht endet mit einer gewissen Dringlichkeit und einem Hauch von Verzweiflung. Das Mädchen fordert die Männer auf, nicht zu warten, bis es gelernt hat, zu lügen und zu täuschen, da es sonst möglicherweise nicht mehr die erste Wahl sein wird. Es scheint zu erkennen, dass es in der Welt der Liebe und Beziehungen oft notwendig ist, weniger ehrlich und unschuldig zu sein, um erfolgreich zu sein. Das Gedicht vermittelt somit eine subtile Kritik an den Erwartungen und Normen der Gesellschaft in Bezug auf Liebe und Beziehungen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Für den ersten möcht' ich stehn
- Metapher
- Andre könnt' ich hintergehn
- Personifikation
- der losen Ränke voll
- Rhetorische Frage
- Wartet ja nicht, bis zu lügen