Das Lösegeld

Charles-Pierre Baudelaire

1821

Der Mensch hat, dass sein Lösegeld er zahl′, Zwei tiefe, reiche Felder Tuffsteinlandes, Er muss sie mit dem Eisen des Verstandes Aufwühlen und bebau′n gar viele Mal.

Damit er nur der kleinsten Rose Spriessen, Nur weniger Halme Blühn und Wachsen schau, Muss er mit seiner Stirne salzigem Tau, Muss er mit Schweiss und Tränen sie begiessen.

Ein Feld heisst Liebe, und das andere Kunst. Und wenn einst, Bösen schreckensvoll und Frommen, Die Stunde des Gerichts herabgekommen, Muss er, zu ringen um des Richters Gunst, Ihm seine erntevollen Scheunen zeigen, Mit Frucht und Korn und Blumen so gefüllt, Dass sich, von Duft und Farbenrausch umhüllt, Die Engel alle huldvoll zu ihm neigen.

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Interpretation

Das Gedicht "Das Lösegeld" von Charles-Pierre Baudelaire handelt von der menschlichen Existenz als einem Prozess der Arbeit und des Leidens, um die Felder der Liebe und der Kunst zu bestellen. Der Mensch muss diese Felder mit dem "Eisen des Verstandes" aufwühlen und bebauen, um auch nur die kleinste Rose oder einige Halme blühen und wachsen zu sehen. Dies erfordert Schweiß und Tränen, die wie salziger Tau auf seiner Stirn vergossen werden. Das Gedicht stellt die Liebe und die Kunst als zwei zentrale Aspekte des menschlichen Lebens dar, die es zu kultivieren gilt. Der Mensch muss sich in beiden Bereichen anstrengen und Opfer bringen, um Früchte zu ernten. Diese Anstrengung wird als Lösegeld bezeichnet, das der Mensch zahlen muss, um überhaupt etwas aus seinem Leben zu machen. Am Ende des Gedichts wird die Stunde des Gerichts angedeutet, in der der Mensch Rechenschaft über seine Taten ablegen muss. Er wird dann seine "erntevollen Scheunen" präsentieren müssen, gefüllt mit Früchten, Korn und Blumen. Wenn er genügend geleistet hat, werden sich die Engel von seinem Erfolg angezogen fühlen und sich ihm zuwenden. Das Gedicht vermittelt somit eine Botschaft über die Bedeutung von harter Arbeit, Opferbereitschaft und der Pflege von Liebe und Kunst, um ein erfülltes Leben zu führen und am Ende anerkannt zu werden.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bildsprache
Dass sich, von Duft und Farbenrausch umhüllt, Die Engel alle huldvoll zu ihm neigen
Hyperbel
Mit Frucht und Korn und Blumen so gefüllt
Metapher
Muss er mit seiner Stirne salzigem Tau
Personifikation
Damit er nur der kleinsten Rose Spriessen, Nur weniger Halme Blühn und Wachsen schau