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Das Lösegeld

Von

Der Mensch hat, dass sein Lösegeld er zahl′,
Zwei tiefe, reiche Felder Tuffsteinlandes,
Er muss sie mit dem Eisen des Verstandes
Aufwühlen und bebau′n gar viele Mal.

Damit er nur der kleinsten Rose Spriessen,
Nur weniger Halme Blühn und Wachsen schau,
Muss er mit seiner Stirne salzigem Tau,
Muss er mit Schweiss und Tränen sie begiessen.

Ein Feld heisst Liebe, und das andere Kunst.
Und wenn einst, Bösen schreckensvoll und Frommen,
Die Stunde des Gerichts herabgekommen,
Muss er, zu ringen um des Richters Gunst,
Ihm seine erntevollen Scheunen zeigen,
Mit Frucht und Korn und Blumen so gefüllt,
Dass sich, von Duft und Farbenrausch umhüllt,
Die Engel alle huldvoll zu ihm neigen.

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Gedicht: Das Lösegeld von Charles-Pierre Baudelaire

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Das Lösegeld“ von Charles-Pierre Baudelaire ist eine Allegorie über die mühsame Arbeit, die der Mensch leisten muss, um in den Bereichen Liebe und Kunst zu erblühen und dadurch letztendlich Erlösung zu erlangen. Es präsentiert die Liebe und die Kunst als zwei „tiefe, reiche Felder Tuffsteinlandes“, die der Mensch im Laufe seines Lebens bearbeiten muss. Die schwere Arbeit wird durch das „Eisen des Verstandes“ symbolisiert, mit dem der Mensch die Felder aufwühlen und bebauen muss. Die Anstrengung, die mit dieser Arbeit verbunden ist, wird durch den „salzigen Tau“ der Stirn, den Schweiß und die Tränen des Menschen verdeutlicht.

Der zweite Teil des Gedichts konzentriert sich auf die Früchte dieser Arbeit. Nur durch die Anstrengung und das Engagement, durch das „Begiessen“ der Felder mit Tränen, Schweiß und dem „salzigen Tau“ der Stirn, kann der Mensch die „kleinsten Rose Spriessen“ und die „weniger Halme Blühn und Wachsen“ sehen. Dies symbolisiert die kleinen Freuden, die durch die Arbeit in Liebe und Kunst entstehen. Die Beschaffenheit des Menschen ist in diesem Fall, unaufhörlich etwas schaffen zu wollen.

Die letzten Strophen des Gedichts stellen die Ernte dar, die der Mensch einfahren wird. Die „Scheunen“ des Menschen, gefüllt mit „Frucht und Korn und Blumen“, stehen für die Ergebnisse der Arbeit in Liebe und Kunst. Diese Ergebnisse sind so reich und von so großer Schönheit, dass selbst die Engel davon überwältigt sind und sich „huldvoll zu ihm neigen“. Dieser Moment des „Gerichts“, der als das Ende des irdischen Lebens interpretiert werden kann, offenbart die Bedeutung der Liebe und der Kunst als Weg zur Erlösung und zur Gunst Gottes.

Baudelaire verwendet eine bildreiche Sprache, um die Schwere und zugleich die Schönheit dieser Aufgabe zu vermitteln. Die Verwendung von Metaphern wie „Felder Tuffsteinlandes“, „Eisen des Verstandes“ und „Scheunen“ erzeugt eine tiefgehende Symbolik, die die zentrale Botschaft des Gedichts verstärkt. Die Arbeit in Liebe und Kunst wird als ein mühsamer, aber lohnender Prozess dargestellt, der letztendlich zur Erlösung und zum Verständnis der menschlichen Existenz führt.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.