Das Lied vom Schmetterlinge
1803Liebes, leichtes, luft′ges Ding,Schmetterling,Das da über Blumen schwebet,Nur von Thau und Blüthen lebet,Blüthe selbst, ein fliegend Blatt,Das, mit welchem Rosenfinger!Wer bepurpurt hat?War′s ein Sylphe, der Dein KleidSo bestreut,Dich aus Morgenduft gewebet,Nur auf Tage Dich belebet?Seelchen, und Dein kleines HerzPocht da unter meinem Finger,Fühlet Todesschmerz.Fleuch dahin, o Seelchen, seiFroh und frei,Mir ein Bild, was ich sein werde,Wenn die Raupe dieser ErdeAuch wie Du ein Zephyr istUnd in Duft und Thau und HonigJede Blüthe küßt!
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Das Lied vom Schmetterlinge" von Johann Gottfried von Herder ist eine poetische Reflexion über die vergängliche Schönheit und das kurze Leben des Schmetterlings. Herder betrachtet den Schmetterling als ein leichtes, luftiges Wesen, das nur von Tau und Blüten lebt und selbst eine Blüte ist, ein fliegendes Blatt. Er fragt sich, wer den Schmetterling mit seinen purpurnen Farben geschmückt hat, ob es ein Sylphe war, der ihn aus Morgenduft gewebt und nur für kurze Zeit belebt hat. Im zweiten Teil des Gedichts lenkt Herder den Fokus auf das kleine Herz des Schmetterlings, das unter seinem Finger pocht und den Schmerz des Todes fühlt. Er fordert das "Seelchen" auf, davon zu fliehen und froh und frei zu sein. Der Schmetterling wird zum Symbol für das, was Herder selbst einmal sein wird, wenn die Raupe dieser Erde ebenfalls zu einem Zephyr wird und in Duft, Tau und Honig jede Blüte küsst. Das Gedicht ist eine Metapher für die Verwandlung und die Hoffnung auf ein höheres Dasein nach dem Tod.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Blüthe selbst, ein fliegend Blatt
- Personifikation
- Liebes, leichtes, luft′ges Ding, Schmetterling, Das da über Blumen schwebet
- Rhetorische Frage
- War′s ein Sylphe, der Dein Kleid So bestreut?
- Symbolik
- Mir ein Bild, was ich sein werde
- Vergleich
- Wenn die Raupe dieser Erde Auch wie Du ein Zephyr ist