Das Lied vom Reifen
1780Seht meine lieben Bäume an, Wie sie so herrlich stehn, Auf allen Zweigen angetan Mit Reifen wunderschön! Von unten an bis oben ´naus Auf allen Zweigelein Hängt´s weich und zierlich, zart und kraus, Und kann nicht schöner schein.
Ein Engel Gottes geht bei Nacht, Streut heimlich hier und dort, Und wenn der Bauersmann erwacht, Ist er schon wieder fort. Du Engel, der so gütig ist, Wir sagen Dank und Preis, O mach uns doch zum heil´gen Christ Die Bäume wieder weiß!
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Interpretation
Das Gedicht "Das Lied vom Reifen" von Matthias Claudius beschreibt die Schönheit der Bäume im Winter, die mit Reif bedeckt sind. Die ersten Strophen schildern die Pracht der Bäume, die von unten bis oben mit zarter, krauser Reifschicht geschmückt sind. Der Reif wird als "wunderschön" und "zierlich" beschrieben, was die ästhetische Wirkung der Natur im Winter unterstreicht. In der zweiten Strophe führt Claudius eine mystische Komponente ein. Ein Engel Gottes wird als Urheber des Reifs dargestellt, der nachts heimlich den Bäumen den Reif bringt. Der Bauer erwacht und findet die Bäume bereits verziert vor, der Engel jedoch ist verschwunden. Diese Strophe verleiht dem Gedicht eine spirituelle Dimension und deutet auf die göttliche Schöpfung und die Wunder der Natur hin. Die letzte Strophe richtet sich direkt an den Engel und drückt Dankbarkeit und Anerkennung aus. Die Bitte, die Bäume "zum heil´gen Christ die Bäume wieder weiß" zu machen, bezieht sich auf die Weihnachtszeit und die Tradition, Bäume zu schmücken. Es wird ein Wunsch nach der Rückkehr des Engels und der erneuten Verzierung der Bäume mit Reif ausgedrückt, was die Hoffnung auf die Schönheit und den Zauber der Weihnachtszeit symbolisiert.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Apostrophe
- Du Engel, der so gütig ist, Wir sagen Dank und Preis
- Bildsprache
- Von unten an bis oben ´naus Auf allen Zweigelein Hängt´s weich und zierlich, zart und kraus, Und kann nicht schöner schein
- Hyperbel
- Auf allen Zweigen angetan Mit Reifen wunderschön
- Metapher
- Seht meine lieben Bäume an, Wie sie so herrlich stehn
- Personifikation
- Ein Engel Gottes geht bei Nacht, Streut heimlich hier und dort
- Wunsch
- O mach uns doch zum heil´gen Christ Die Bäume wieder weiß