Das Lied vom Hasse
1841Wohlauf, wohlauf, über Berg und Fluss Dem Morgenrot entgegen, Dem treuen Weib den letzten Kuss, Und dann zum treuen Degen! Bis unsre Hand in Asche stiebt, Soll sie vom Schwert nicht lassen; Wir haben lang genug geliebt, Und wollen endlich hassen!
Die Liebe kann uns helfen nicht, Die Liebe nicht erretten; Halt du, o Hass, dein jüngst Gericht, Brich du, o Hass, die Ketten! Und wo es noch Tyrannen gibt, Die lasst uns keck erfassen; Wir haben lang genug geliebt, Und wollen endlich hassen!
Wer noch ein Herz besitzt, dem soll’s Im Hasse nur sich rühren; Allüberall ist dürres Holz, Um unsre Glut zu schüren. Die ihr der Freiheit noch verbliebt, Singt durch die deutschen Straßen: “Ihr habet lang genug geliebt, O lernet endlich hassen!”
Bekämpfet sie ohn’ Unterlass, Die Tyrannei auf Erden, Und heiliger wird unser Hass, Als unsre Liebe, werden. Bis unsre Hand in Asche stiebt, Soll sie vom Schwert nicht lassen; Wir haben lang genug geliebt, Und wollen endlich hassen!
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Interpretation
Das Gedicht "Das Lied vom Hasse" von Georg Herwegh ist ein Aufruf zum revolutionären Kampf gegen die Tyrannei. Es beginnt mit einer Anweisung, Abschied zu nehmen und sich dem Morgenrot, dem Symbol der Hoffnung und des Neubeginns, zuzuwenden. Der treue Degen, das Schwert, wird als Waffe gegen die Unterdrückung erwähnt. Die Wiederholung des Satzes "Wir haben lang genug geliebt, und wollen endlich hassen!" unterstreicht die Veränderung von Liebe zu Hass als treibende Kraft für den Kampf. Im zweiten Abschnitt wird die Liebe als unzureichend dargestellt, um die gewünschte Veränderung herbeizuführen. Hass wird als notwendiges Mittel zur Befreiung von Fesseln und Unterdrückung präsentiert. Die Erwähnung der "Tyrannei" und der Aufruf, sie zu ergreifen, verdeutlicht den revolutionären Charakter des Gedichts. Der Hass wird als gerechtfertigt und heiliger als die Liebe angesehen, da er dem höheren Ziel der Freiheit dient. Der letzte Abschnitt richtet sich an diejenigen, die noch ein Herz besitzen und sich für die Freiheit einsetzen. Das Gedicht ruft dazu auf, die Tyrannei unermüdlich zu bekämpfen und den Hass als heilige Pflicht zu betrachten. Die Wiederholung des Schlusssatzes am Ende des Gedichts betont die Entschlossenheit und den unerschütterlichen Willen, bis zum bitteren Ende zu kämpfen. Herweghs Gedicht ist ein leidenschaftlicher Aufruf zum revolutionären Handeln und zur Überwindung der Tyrannei durch den Hass.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Wohlauf, wohlauf, über Berg und Fluss Dem Morgenrot entgegen, Dem treuen Weib den letzten Kuss, Und dann zum treuen Degen! Bis unsre Hand in Asche stiebt, Soll sie vom Schwert nicht lassen; Wir haben lang genug geliebt, Und wollen endlich hassen!
- Antithese
- Wir haben lang genug geliebt, Und wollen endlich hassen!
- Metapher
- Die ihr der Freiheit noch verbliebt
- Personifikation
- Halt du, o Hass, dein jüngst Gericht, Brich du, o Hass, die Ketten!
- Symbol
- Bis unsre Hand in Asche stiebt, Soll sie vom Schwert nicht lassen
- Wiederholung
- Und wollen endlich hassen!