Das Lied vom blonden Korken
1871Ein blonder Korke spiegelt sich in einem Lacktablett - allein er säh sich dennoch nich, selbst wenn er Augen hätt!
Das macht, dieweil er senkrecht steigt zu seinem Spiegelbild! Wenn man ihn freilich seitwärts neigt, zerfällt, was oben gilt.
O Mensch, gesetzt, du spiegelst dich im, sagen wir, im All! Und senkrecht! - wärest du dann nich ganz in demselben Fall?
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Interpretation
Das Gedicht "Das Lied vom blonden Korken" von Christian Morgenstern handelt von der Spiegelung eines Korkens in einem Lacktablett und zieht eine metaphorische Parallele zum menschlichen Dasein. Der Korken, der sich im Tablett spiegelt, sieht sich selbst nicht, selbst wenn er Augen hätte. Dies liegt daran, dass er senkrecht zu seinem Spiegelbild steht. Wenn das Tablett jedoch seitwärts geneigt wird, verliert die Spiegelung ihre Gültigkeit. Das Gedicht endet mit einer rhetorischen Frage an den Menschen, ob er sich im Universum spiegeln würde und ob er dann in derselben Situation wie der Korken wäre. Diese Frage regt zum Nachdenken über die menschliche Existenz und unsere Wahrnehmung der Realität an. Es wird suggeriert, dass unsere Sicht auf die Welt und uns selbst begrenzt und verzerrt sein könnte, ähnlich wie die Spiegelung des Korkens im Tablett. Die metaphorische Ebene des Gedichts lädt dazu ein, über die Natur der menschlichen Existenz und unsere Beziehung zum Universum nachzudenken. Es wird die Idee aufgeworfen, dass unsere Wahrnehmung der Realität begrenzt sein könnte und dass wir möglicherweise nicht in der Lage sind, uns selbst vollständig zu erkennen oder zu verstehen. Das Gedicht regt somit zu einer tieferen Reflexion über die menschliche Existenz und unsere Stellung im Universum an.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anspielung
- O Mensch, gesetzt, du spiegelst dich
- Bildsprache
- senkrecht steigt zu seinem Spiegelbild
- Metapher
- Ein blonder Korke spiegelt sich in einem Lacktablett
- Personifikation
- selbst wenn er Augen hätt
- Vergleich
- im, sagen wir, im All