Das lesende Kind
1857Auf den Schooß das Buch gebreitet, Scheinst du nichts um dich zu missen, Starrst hinein, indeß beflissen Ueber′s Blatt der Finger gleitet.
In das Meer der Zeichen leitet Dich kein Können noch und Wissen, Unbeschränkt, in schwanken Rissen Sich dein junges Sinnen weitet.
Süßes Dämmern! Traumumwoben Schläft das Denken noch im Neste, Nur das Fühlen schwebt nach oben.
Ach, des Lebens trübe Reste Bleiben, wenn der Flor gehoben – Das Geheimniß ist das Beste.
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Interpretation
Das Gedicht "Das lesende Kind" von Friedrich Adler beschreibt die Faszination und das Staunen eines Kindes beim Lesen. Das Kind ist vollkommen in das Buch vertieft, scheint nichts um sich herum zu bemerken und folgt mit den Augen den Zeichen auf den Seiten. Das Gedicht betont die Unschuld und Reinheit des kindlichen Geistes, der noch nicht von der Welt und ihren Komplexitäten beeinflusst ist. Das Gedicht verwendet eine reiche Sprache, um die Schönheit und Magie des Lesens zu beschreiben. Die Zeichen auf den Seiten werden als "Meer" bezeichnet, das das Kind leitet, obwohl es noch kein Können oder Wissen besitzt. Das junge Gemüt des Kindes wird als "schwankend" und "unbeschränkt" beschrieben, was darauf hindeutet, dass es noch keine Grenzen oder Einschränkungen kennt. Das Gedicht endet mit einem melancholischen Ton, der darauf hinweist, dass das Erwachsenwerden oft mit dem Verlust der Unschuld und des Staunens einhergeht. Das "Geheimnis" des Lesens und des kindlichen Geistes wird als das Beste beschrieben, was darauf hindeutet, dass es etwas Wertvolles ist, das im Laufe des Lebens oft verloren geht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Süßes Dämmern! Traumumwoben
- Hyperbel
- Ach, des Lebens trübe Reste
- Metapher
- Das Geheimnis ist das Beste
- Personifikation
- Nicht das Fühlen schwebt nach oben