Das leere Haus

Herbert Eulenberg

1903

Ins leere Haus trat ich, ein Buch zu holen, still ging ich durch der Zimmer lange Reihe, wie tot lag alles und voll eigner Weihe, Sinn und Bezug auf uns schien fortgestohlen.

Der Boden knarrte unter meinen Sohlen, gebannt stand alles sonst in seiner Reihe. Ein Spielzeug hing dort ohne Kinderschreie, im Kasten schliefen ungenutzt die Kohlen.

Da überflog mich jäh ein großes Grauen, als ich das stumme Buch jetzt wollte fassen: Ich selbst war als ein Toter anzuschauen,

wie Nebel wollte alles mich verlassen. Im Nichts stand ich und ohne ein Vertrauen und ohne wen zu lieben, wen zu hassen.

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Illustration zu Das leere Haus

Interpretation

Das Gedicht "Das leere Haus" von Herbert Eulenberg handelt von der Erfahrung des lyrischen Ichs, das ein leeres Haus betritt, um ein Buch zu holen. Die Atmosphäre im Haus ist von Stille und Tod geprägt. Die Gegenstände scheinen ihre Bedeutung und ihren Bezug zur menschlichen Existenz verloren zu haben. Das Haus wird als ein Ort der Abwesenheit und Leere dargestellt, in dem das Ich sich selbst als einen "Toten" wahrnimmt. Das Gedicht beschreibt die körperlichen Empfindungen des Ichs, wie das Knarren des Bodens unter den Sohlen und das Gefühl der Gebanntheit. Die Gegenstände im Haus, wie das Spielzeug und die Kohlen, wirken leblos und ohne Funktion. Die Stimmung wird durch die Verwendung von Bildern wie "tot lag alles" und "voll eigner Weihe" verstärkt, die eine Atmosphäre der Isolation und Entfremdung schaffen. Das Gedicht kulminiert in einem Moment des Grauens, als das Ich versucht, das stumme Buch zu fassen. Das Ich erkennt sich selbst als einen Toten und fühlt sich von allem um sich herum entfremdet. Die letzten Zeilen des Gedichts drücken die tiefe Einsamkeit und Verzweiflung des Ichs aus, das ohne Vertrauen und ohne jemanden zum Lieben oder Hassen dasteht. Das Gedicht vermittelt eine düstere und existenzielle Stimmung, die den Leser zum Nachdenken über die Bedeutung von Leben und Tod anregt.

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Stilmittel

Bildsprache
und ohne wen zu lieben, wen zu hassen
Metapher
wie Nebel wollte alles mich verlassen
Personifikation
Der Boden knarrte unter meinen Sohlen