Das Kinderspiel
1755Wir Kinder, wir schmecken Der Freuden recht viel, Wir schäkern und necken, Versteht sich im Spiel; Wir lärmen und singen Und rennen rundum, Und hüpfen und springen Im Grase herum.
Ei, seht doch, ihr Brüder, Den Schmetterling da! Wer wirft ihn uns nieder? Doch schonet ihn ja! Dort flattert noch einer, Der ist wohl sein Freund, O schlag′ ihn ja keiner, Weil jener sonst weint.
Wird dort nicht gesungen? Wie herrlich das klingt! Vortrefflich, ihr Jungen, die Nachtigall singt. Dort sitzt sie, dort oben Im Apfelbaum, dort; Wir wollen sie loben, So fährt sie wohl fort.
Laßt Kränzchen uns winden, Viel Blumen sind hier. Wer Veilchen wird finden, Empfängt was dafür. Ein Mäulchen zur Gabe Gibt Mutter, wohl zwei. Juchheisa! Ich habe, Ich hab′ eins, juchhei!
Ach, geht sie schon unter, Die Sonne, so früh? Wir sind ja noch munter, Ach, Sonne verzieh′! Nun morgen, ihr Brüder, Schlaft wohl, gute Nacht! Ja, morgen wird wieder Gespielt und gelacht.
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Interpretation
Das Gedicht "Das Kinderspiel" von Christian Adolph Overbeck beschreibt die unbeschwerte und freudige Welt der Kinder. Es beginnt mit einer lebhaften Szene, in der die Kinder ihre Freude an einfachen Spielen und Aktivitäten wie Singen, Laufen und Hüpfen ausdrücken. Sie sind in ihrer eigenen Welt versunken, die von Spaß und Unschuld geprägt ist. Die Kinder zeigen auch eine natürliche Zuneigung zur Natur, indem sie einen Schmetterling bewundern und die Nachtigall hören, was ihre Neugier und ihren Respekt vor der Umwelt unterstreicht. Im weiteren Verlauf des Gedichts wird die Kreativität und das gemeinschaftliche Miteinander der Kinder hervorgehoben. Sie sammeln Blumen, um Kränze zu binden, und belohnen sich gegenseitig für ihre Funde mit Küssen von ihrer Mutter. Diese Handlungen spiegeln die enge Verbundenheit und die einfachen Freuden wider, die das Kinderleben ausmachen. Die Kinder sind in Harmonie mit ihrer Umgebung und finden Freude in den kleinen Dingen des Lebens. Das Gedicht endet mit einem Hauch von Wehmut, als die Kinder die untergehende Sonne bemerken und sich auf den Schlaf vorbereiten. Trotz der Sehnsucht nach mehr Spielzeit akzeptieren sie das Ende des Tages und freuen sich auf den nächsten Morgen, an dem sie erneut spielen und lachen werden. Overbeck fängt hier die flüchtige Natur der Kindheit ein und die Hoffnung auf neue Abenteuer, die jeder neue Tag bringt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Vortrefflich, ihr Jungen
- Anapher
- Wir Kinder, wir schmecken
- Kontrast
- Ach, geht sie schon unter, Die Sonne, so früh? Wir sind ja noch munter
- Metapher
- Laßt Kränzchen uns winden
- Personifikation
- Weil jener sonst weint
- Rhetorische Frage
- Wird dort nicht gesungen?
- Vergleich
- Wie herrlich das klingt
- Wiederholung
- juchhei