Das Kind

Friedrich Hebbel

1813

Die Mutter lag im Totenschrein, zum letztenmal geschmückt; da spielt das kleine Kind herein, das staunend sie erblickt.

Die Blumenkron′ im blonden Haar gefällt ihm gar zu sehr, die Busenblumen, bunt und klar, zum Strauß gereiht, noch mehr.

Und sanft und schmeichelnd ruft es aus: “Du liebe Mutter, gib mir eine Blum′ aus deinem Strauß, ich hab′ dich auch so lieb!”

Und als die Mutter es nicht tut, da denkt das Kind für sich: Sie schläft, doch wenn sie ausgeruht, so tut sie′s sicherlich.

Schleicht fort, so leis′ es immer kann, und schließt die Türe sacht und lauscht von Zeit zu Zeit daran, ob Mutter noch nicht erwacht.

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Illustration zu Das Kind

Interpretation

Das Gedicht "Das Kind" von Friedrich Hebbel beschreibt die Szene, in der ein kleines Kind auf die geschmückte Leiche seiner Mutter in einem Totenschrein trifft. Die Mutter ist zum letzten Mal geschmückt, und das Kind kommt spielend herein und erblickt sie staunend. Die Blumenkrone im blonden Haar der Mutter und die bunt und klar gereihten Busenblumen gefallen dem Kind besonders gut. Das Kind ruft sanft und schmeichelnd zu seiner Mutter, bittet um eine Blume aus ihrem Strauß und versichert ihr seine Liebe. Als die Mutter nicht reagiert, denkt das Kind, dass sie schläft und ihr das sicherlich geben wird, wenn sie ausgeruht ist. Das Kind schleicht leise davon, schließt die Tür vorsichtig und lauscht immer wieder, ob die Mutter noch nicht erwacht ist. Das Gedicht thematisiert den unschuldigen und naiven Blick eines Kindes auf den Tod. Das Kind versteht die Endgültigkeit des Todes noch nicht und interpretiert die Unbeweglichkeit der Mutter als Schlaf. Es zeigt die kindliche Hoffnung und das Vertrauen darauf, dass die Mutter nach dem Ausruhen wieder aufwachen und seine Bitte erfüllen wird. Das Gedicht vermittelt eine berührende und zugleich traurige Stimmung, da das Kind die Wahrheit des Todes noch nicht begreifen kann.

Schlüsselwörter

mutter kind strauß tut zeit lag totenschrein letztenmal

Wortwolke

Wortwolke zu Das Kind

Stilmittel

Alliteration
schleicht fort, so leis′ es immer kann
Beschreibung
Und schließt die Türe sacht und lauscht von Zeit zu Zeit daran, ob Mutter noch nicht erwacht
Hyperbel
gefällt ihm gar zu sehr
Ironie
Sie schläft, doch wenn sie ausgeruht, so tut sie's sicherlich
Personifikation
Die Mutter lag im Totenschrein, zum letztenmal geschmückt