Das Kind des Steuermannes
1815“Die Segel eingezogen, und alle Mann aufs Deck!” Der Sturm kommt angeflogen aus finsterem Versteck; die Wogen wälzen rollend sich schon heran mit Macht; der Donner regt sich grollend, und Mittag wird zur Nacht.
Doch hinten steht im Schiffe der Steuermann am Rad und lenkt mit Blick und Griffe des schwanken Kieles Pfad, weiß klug vorbeizuhalten am mörderischen Riff, die Wellen kühn zu spalten; denn ihm gehorcht sein Schiff.
O braver Seemann, zwinge des Elementes Wut, o wackres Schifflein, dringe voran durch Sturm und Flut; viel bange Herzen zagen, und mit des Sturms Geräusch mischt sich der Kinder Klagen, der Frauen Angstgekreisch.
Doch still und unerschrocken sitzt dort abseits ein Kind, läßt ruhig sich die Locken zerwühlen von dem Wind, blickt stolz ins Meer vom Decke als wie von einem Thron, weiß nichts von Angst und Schrecke: des Steuermannes Sohn.
Ihn fragt der Männer einer: “Dir macht der Sturm nicht angst? Sag an, wie kommt es, Kleiner, daß du allein nicht bangst?” Da wird von stolzem Feuer des Knaben Wange rot: “Mein Vater sitzt am Steuer, drum hat es keine Not.”
O starker Kinderglaube! - Verstehst du′s, Gotteskind? Ob um dein Schifflein schnaube der ungestüme Wind, der Himmel steht im Feuer, die finstre Tiefe droht: Dein Vater sitzt am Steuer, drum hat es keine Not!
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Interpretation
Das Gedicht "Das Kind des Steuermannes" von Karl von Gerok handelt von einem stürmischen Seegang und einem mutigen Kind, das Vertrauen in seinen Vater hat. Der Sturm tobt und die Menschen an Bord sind voller Angst, doch das Kind sitzt ruhig und unerschrocken da, weil es weiß, dass sein Vater das Steuer fest in der Hand hält. Das Kind wird von einem Mann gefragt, warum es keine Angst vor dem Sturm hat. Das Kind antwortet stolz, dass es keine Not gibt, weil sein Vater am Steuer sitzt. Dieser kindliche Glaube an die Fähigkeiten des Vaters wird im letzten Vers auf Gott übertragen. Der Sprecher appelliert an den Leser, diesen Glauben auch in Bezug auf Gott zu haben. Egal wie stürmisch das Leben wird, Gott hält das Steuer fest in der Hand und es gibt keine Not. Das Gedicht verwendet verschiedene maritime Bilder und Metaphern, um die Botschaft zu vermitteln. Der Sturm symbolisiert die Herausforderungen und Ängste des Lebens, während das Schiff und der Steuermann für die Sicherheit und Führung stehen. Das Kind verkörpert den unerschütterlichen Glauben, der selbst in den stürmischsten Zeiten Ruhe und Zuversicht bringt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Der Donner regt sich grollend
- Bildsprache
- Mischt sich der Kinder Klagen, der Frauen Angstgekreisch
- Hyperbel
- Viel bange Herzen zagen
- Metapher
- Der Himmel steht im Feuer, die finstre Tiefe droht
- Onomatopoesie
- Mit des Sturms Geräusch
- Personifikation
- Ob um dein Schifflein schnaube der ungestüme Wind