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Das Kind des Steuermannes

Von

„Die Segel eingezogen,
und alle Mann aufs Deck!“
Der Sturm kommt angeflogen
aus finsterem Versteck;
die Wogen wälzen rollend
sich schon heran mit Macht;
der Donner regt sich grollend,
und Mittag wird zur Nacht.

Doch hinten steht im Schiffe
der Steuermann am Rad
und lenkt mit Blick und Griffe
des schwanken Kieles Pfad,
weiß klug vorbeizuhalten
am mörderischen Riff,
die Wellen kühn zu spalten;
denn ihm gehorcht sein Schiff.

O braver Seemann, zwinge
des Elementes Wut,
o wackres Schifflein, dringe
voran durch Sturm und Flut;
viel bange Herzen zagen,
und mit des Sturms Geräusch
mischt sich der Kinder Klagen,
der Frauen Angstgekreisch.

Doch still und unerschrocken
sitzt dort abseits ein Kind,
läßt ruhig sich die Locken
zerwühlen von dem Wind,
blickt stolz ins Meer vom Decke
als wie von einem Thron,
weiß nichts von Angst und Schrecke:
des Steuermannes Sohn.

Ihn fragt der Männer einer:
„Dir macht der Sturm nicht angst?
Sag an, wie kommt es, Kleiner,
daß du allein nicht bangst?“
Da wird von stolzem Feuer
des Knaben Wange rot:
„Mein Vater sitzt am Steuer,
drum hat es keine Not.“

O starker Kinderglaube! –
Verstehst du′s, Gotteskind?
Ob um dein Schifflein schnaube
der ungestüme Wind,
der Himmel steht im Feuer,
die finstre Tiefe droht:
Dein Vater sitzt am Steuer,
drum hat es keine Not!

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Gedicht: Das Kind des Steuermannes von Karl von Gerok

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Das Kind des Steuermannes“ von Karl von Gerok ist eine ergreifende Darstellung von Vertrauen und Glauben, die in der stürmischen Umgebung des Meeres veranschaulicht wird. Es beginnt mit einer Szene des drohenden Unwetters, in der die Gefahr durch den „Sturm“ und die „Wogen“ greifbar wird. Die Besatzung des Schiffs ist in Alarmbereitschaft, während der Steuermann unerschütterlich seinen Pflichten nachgeht. Der Kontrast zwischen der Panik der anderen und der Ruhe des Steuermanns bildet den Hintergrund für die zentrale Botschaft des Gedichts.

Inmitten der Unruhe und Angst an Bord wird das Kind des Steuermannes als Symbol für unerschütterliches Vertrauen eingeführt. Das Kind ist ruhig und unerschrocken, während es den Sturm beobachtet. Der entscheidende Moment kommt, als es nach seiner Angst gefragt wird und antwortet: „Mein Vater sitzt am Steuer, drum hat es keine Not.“ Diese Aussage ist das Herzstück des Gedichts, das die kindliche Gewissheit widerspiegelt, dass alles in Ordnung ist, solange der Vater, die Autorität und Schutzinstanz, die Kontrolle hat. Diese Szene veranschaulicht die Stärke des Vertrauens und die Sicherheit, die man in einer höheren Macht findet.

Das Gedicht entwickelt sich zu einer allegorischen Botschaft, indem es das Vertrauen des Kindes auf Gott als „Vater“ überträgt. Die letzte Strophe appelliert an den Leser, die gleiche Vertrauenshaltung in schwierigen Zeiten zu bewahren. Die Metapher des Schiffs, das im Sturm kämpft, wird auf das Leben im Allgemeinen übertragen, in dem „der ungestüme Wind“ und „die finstre Tiefe“ für die Widrigkeiten und Herausforderungen stehen. Die Zeile „Dein Vater sitzt am Steuer, drum hat es keine Not!“ wird zu einer Ermahnung, in schwierigen Zeiten auf den Schutz und die Führung Gottes zu vertrauen.

Die Sprache des Gedichts ist einfach, aber kraftvoll. Die Verwendung von Reim und Rhythmus unterstützt die emotionale Wirkung und macht die Botschaft leicht zugänglich. Die direkten Fragen und Antworten verstärken die Klarheit der Botschaft. Die Bilder des Meeres, des Sturms und des Schiffes schaffen eine lebendige Kulisse für die emotionale Reise des Lesers. Die einfache, aber aussagekräftige Sprache ist darauf ausgelegt, die Leser anzusprechen und sie dazu zu bewegen, die zentrale Botschaft des Vertrauens zu verinnerlichen.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.