Das Karussell
1899Sie standen stumm und lauschten dem Getön Verstimmter Instrumente tief in Schlaf: Die starren Tiere, bunt und wunderschön. Da sie ein Kinderblick in Schmerz betraf,
Erwachten sie. Die Löwenmähne flog Im Wind. So klang vom Elefantenzahn Geläut der Schellen. Rüssel schnob. Es zog In langem Zug die stolze Karawane
Dahin. Vor ihrem steilen Aufbruch lag Ein Palmenwald, verstrickt in Abenteuer, Aus Lichtraketen schoß der heiße Tag, Kakteen brannten, purpurn, ungeheuer.
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Interpretation
Das Gedicht "Das Karussell" von Maria Luise Weissmann beschreibt eine Szene auf einem Karussell, das zunächst still und leblos wirkt. Die Tiere auf dem Karussell stehen stumm da und lauschen dem tiefen Schlaf, der durch die verstimmten Instrumente erzeugt wird. Sie sind bunt und wunderschön, aber ihre Starre verleiht ihnen eine gewisse Melancholie. Doch dann wird ein Kinderblick auf sie gerichtet, der sie in Schmerz betrifft. Dieser Blick scheint die Tiere zu erwecken, und sie beginnen sich zu bewegen. Die Mähne des Löwen fliegt im Wind, und von den Zähnen des Elefanten erklingt ein Glockengeläut. Die Tiere schnauben mit ihren Rüsseln, und die Karawane zieht in einem langen Zug vorbei. Vor ihrem steilen Aufbruch liegt ein Palmenwald, der in Abenteuer verstrickt ist. Der heiße Tag schießt aus Lichtraketen hervor, und Kakteen brennen in purpurner Farbe. Die Szene wird von einer gewissen Intensität und Ungeheuerlichkeit geprägt, die den Leser in den Bann zieht und die Magie des Karussells einfängt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Die Löwenmähne flog Im Wind
- Hyperbel
- Kakteen brannten, purpurn, ungeheuer
- Metapher
- Sie standen stumm und lauschten dem Getön Verstimmter Instrumente tief in Schlaf
- Onomatopoesie
- Geläut der Schellen
- Personifikation
- Die starren Tiere, bunt und wunderschön.
- Symbolik
- Ein Palmenwald, verstrickt in Abenteuer