Das Kammermädchen
1726O was für Augen! welch ein Mund! Die Brust, wie weis, wie voll, wie rund! Wie schalkhaft der verstohlne Blick! Der schlanke Leib, welch Meisterstück!
Wahrhaftig! ja, sie ist zu schön! Wer kann der Sehnsucht wiederstehn? Mich ladet Mund und Busen ein; Das Mädchen muß geküsset seyn - -
Doch, Chloris schreyt? - Nein, halte nicht Den Fächer spröde vors Gesicht! Gewiß, ich redte nicht von dir, Dein Kammermädchen meynt ich hier.
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Interpretation
Das Gedicht "Das Kammermädchen" von Christian Felix Weiße beschreibt die Bewunderung eines Mannes für die Schönheit eines Dienstmädchens. Er ist fasziniert von ihren Augen, ihrem Mund, ihrer Brust und ihrem schlanken Körper. Die Verse drücken seine starke Anziehung und Sehnsucht nach dem Mädchen aus. Der Mann gesteht, dass er der Versuchung nicht widerstehen kann und das Mädchen küssen möchte. Er wird von ihrem Mund und Busen verführt. Doch plötzlich hört er jemanden schreien - vermutlich Chloris, die Herrin des Hauses. In seiner Verlegenheit beteuert er schnell, dass er nicht von ihr gesprochen habe, sondern von ihrem Kammermädchen. Das Gedicht zeigt die Doppelzüngigkeit des Mannes, der seine Begierde nach dem Dienstmädchen offen ausspricht, sich aber sofort zurückzieht, als er entdeckt wird. Es spiegelt die Machtverhältnisse und sexuellen Spannungen zwischen Herrschaft und Dienstboten im 18. Jahrhundert wider. Die schmeichelnden Verse über die Schönheit des Mädchens stehen im Kontrast zu der respektlosen Art, wie er sie als Objekt seiner Lust betrachtet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anspielung
- Dein Kammermädchen meynt ich hier.
- Apostrophe
- Doch, Chloris schreyt? - Nein, halte nicht Den Fächer spröde vors Gesicht!
- Ausruf
- O was für Augen! welch ein Mund!
- Hyperbel
- O was für Augen! welch ein Mund! Die Brust, wie weis, wie voll, wie rund!
- Metapher
- Der schlanke Leib, welch Meisterstück!
- Vergleich
- Die Brust, wie weis, wie voll, wie rund!
- Wiederholung
- Wahrhaftig! ja, sie ist zu schön! Wer kann der Sehnsucht wiederstehn?