Das ist kein Mensch

Max Vogler

1854

Das ist kein Mensch, der in dem Kot des Lebens Für sich allein nach gold′nen Körnern schürt Und dem des Himmels Mahnung stets vergebens Ans eisigkalte Herz gerührt.

Die Mahnung: Wie die ew′gen Sterne droben Einander spenden ihres Lichtes Schein, So sollst du in des Lebens wildem Toben Der Menschheit deine stärksten Triebe weih′n!

Der es nicht weiß, wie echte Herzen fluten Und der nicht immer zweifelt, aber auch nicht glaubt Und nimmer in der Wahrheit heil′gen Gluten Empor zum Himmel hob das stolze Haupt:

Der ist kein Mensch! Und wenn sein Tag zu Ende, Umstrahlt sein Grab kein rosenrotes Licht, Und weiter regt die Zeit die raschen Hände — Doch seinen Namen schreibt ihr Griffel nicht!

Das ist ein Mensch, der in dem Trug der Erde Der Wahrheit Banner hocherhoben hält. Und, daß der Welt die Freiheit wieder werde Mit wucht′gem Arm der Lüge Burgen fällt,

Der kühn der Menschheit, die vom Wurm zerfressen, Die Ziele zeigt, wo ihr Erlösung winkt Und, blutend auch, in sel′gem Selbstvergessen Die Fahne haltend, auf der Wahlstatt sinkt.

Das ist ein Mensch! Und Frieden wird′s ihm lohnen, Der himmlisch süß sein starkes Herz durchweht, Und eine Leuchte, lebt er in Äonen: — Sein Name ist′s, der in den Sternen steht!

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Das ist kein Mensch

Interpretation

Das Gedicht "Das ist kein Mensch" von Max Vogler handelt von der Frage, was einen wahren Menschen ausmacht. Der Dichter stellt zwei gegensätzliche Charaktere vor: den einen, der egoistisch und gefühlskalt durchs Leben geht, und den anderen, der sich selbstlos für die Menschheit einsetzt. Der erste Mensch wird als jemand beschrieben, der im "Kot des Lebens" nach "goldenen Körnern" sucht und dabei die Mahnung des Himmels ignoriert. Diese Mahnung besagt, dass man seine "stärksten Triebe" der Menschheit weihen soll, so wie die Sterne einander ihr Licht spenden. Der egoistische Mensch hingegen "glaubt" nicht an die "heiligen Gluten der Wahrheit" und hebt sein Haupt nicht "zum Himmel". Nach seinem Tod wird sein Grab nicht von einem "rosenroten Licht" umstrahlt, und die Zeit wird seinen Namen nicht aufschreiben. Der zweite Mensch wird als jemand dargestellt, der "das Banner der Wahrheit" hochhält und mit "wuchtigem Arm die Burgen der Lüge" zum Einsturz bringt. Er zeigt der vom "Wurm zerfressenen" Menschheit die Ziele, wo ihre Erlösung winkt, und sinkt "auf der Wahlstatt" in den Tod, während er noch die Fahne haltend. Dieser Mensch wird als wahrer Mensch bezeichnet, der nach seinem Tod Frieden und eine himmlische Süße erfahren wird. Sein Name wird in den Sternen stehen und als Leuchte für die Ewigkeit dienen.

Schlüsselwörter

mensch kein lebens mahnung herz gen menschheit wahrheit

Wortwolke

Wortwolke zu Das ist kein Mensch

Stilmittel

Metapher
Sein Name ist′s, der in den Sternen steht
Personifikation
des Himmels Mahnung
Vergleich
Einander spenden ihres Lichtes Schein