Das ist die Sehnsucht

Rainer Maria Rilke

1909

Das ist die Sehnsucht: wohnen im Gewoge und keine Heimat haben in der Zeit. Und das sind Wünsche: leise Dialoge täglicher Stunden mit der Ewigkeit.

Und das ist Leben. Bis aus einem Gestern die einsamste Stunde steigt, die, anders lächelnd als die andern Schwestern, dem Ewigen entgegenschweigt.

Anhören

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Das ist die Sehnsucht

Interpretation

Das Gedicht "Das ist die Sehnsucht" von Rainer Maria Rilke handelt von der tiefen Sehnsucht des Menschen nach einem Ort der Zugehörigkeit und der Auseinandersetzung mit der Zeit. Die Sehnsucht wird als das Gefühl beschrieben, im ständigen Fluss des Lebens zu leben, ohne eine feste Heimat in der Zeit zu haben. Die Wünsche werden als leise Dialoge mit der Ewigkeit dargestellt, die in den alltäglichen Stunden stattfinden. Das Leben selbst wird als ein Prozess beschrieben, in dem sich aus der Vergangenheit eine einsame Stunde erhebt, die anders als die anderen Stunden lächelt und dem Ewigen entgegenschweigt. Dies könnte als die Erkenntnis des Individuums interpretiert werden, dass es trotz der Sehnsucht nach Zugehörigkeit und der Auseinandersetzung mit der Zeit letztlich allein ist und dem Ewigen, also dem Unendlichen oder dem Tod, gegenübersteht. Das Gedicht vermittelt somit eine tiefe Melancholie und die Erkenntnis der Vergänglichkeit des Lebens.

Schlüsselwörter

sehnsucht wohnen gewoge keine heimat zeit wünsche leise

Wortwolke

Wortwolke zu Das ist die Sehnsucht

Stilmittel

Metapher
Dialoge täglicher Stunden mit der Ewigkeit
Personifikation
dem Ewigen entgegenschweigt