Das Ideal

Friederike Sophie Christiane Brun

1788

Bist auf immer du von mir geschieden, Ideal, das meine Seele schuf? Ach mit dir entfloh des Herzens Frieden, Und des Zutrau′ns holder Freundesruf!

So wie still die Abendsonne sinket, Und sich hebt der Mond aus tiefem Thal, Wie der Zwillingsstern dem Schiffer winket, Dem Verbannten seines Herdes Strahl:

Ach so strahlest auf des Lebens Haide Du mir Hoffnung, Muth und Liebe zu! Ja, mit dir entfloh des Daseyns Freude, Wonn′ und Glück, und selbst des Geistes Ruh′!

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Illustration zu Das Ideal

Interpretation

Das Gedicht "Das Ideal" von Friederike Sophie Christiane Brun handelt von der Trennung von einem idealisierten Traumbild, das die Seele des lyrischen Ichs erschaffen hat. Der Verlust dieses Ideals bedeutet den Verlust von innerem Frieden, Vertrauen und Freundschaft. Das lyrische Ich vergleicht das Ideal mit der Abendsonne, die sich am Horizont verliert, und dem Mond, der aus dem Tal aufsteigt. Wie der Polarstern dem Seefahrer als Leitstern dient und wie der Strahl des Herdes den Verbannten an sein Zuhause erinnert, so war das Ideal dem lyrischen Ich ein Hoffnungsträger und Quelle von Mut, Liebe und Lebensfreude. Ohne das Ideal ist das Leben des lyrischen Ichs leer und freudlos. Die Wonne, das Glück und sogar der geistige Frieden sind mit dem Verschwinden des Ideals dahin. Das Gedicht vermittelt einen tiefen Verlust und die Sehnsucht nach der Rückkehr des verlorenen Ideals, das dem Leben Sinn und Erfüllung gegeben hat.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
Bist auf immer du von mir geschieden, Ideal, das meine Seele schuf? Ach mit dir entfloh des Herzens Frieden, Und des Zutrau′ns holder Freundesruf!
Hyperbel
Ach so strahlest auf des Lebens Haide Du mir Hoffnung, Muth und Liebe zu!
Personifikation
Ideal, das meine Seele schuf
Vergleich
So wie still die Abendsonne sinket, Und sich hebt der Mond aus tiefem Thal, Wie der Zwillingsstern dem Schiffer winket, Dem Verbannten seines Herdes Strahl