Das Hopsassa
1885Was du nur willst! Dieweil du reimen kannst und in beliebtem Hopsassa erzählst was dir zu Leids geschah, schmähst du auf jeden braven Wanst, der reimlos seine Wege geht und von der Narrheit nichts versteht, die dich, indes er ißt und trinkt, in schmerzliche Ekstase bringt und dich ekstatisch hungern läßt. Er soll dir deine Narrenqualen etwa mit seinem Gelde zahlen? Dir ist dein Narrsein ja ein Fest! So zahle deine Feste selber und neide nicht voll Prahlerei und widriger Phantasterei ihm seine wohlgeratnen Kälber, du elendiger Hopsassa und Tschingterassa Bum!
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Interpretation
Das Gedicht "Das Hopsassa" von Gustav Sack ist eine satirische Auseinandersetzung mit den vermeintlichen Ansprüchen und dem selbstgerechten Verhalten von Künstlern oder Poeten. Der Sprecher kritisiert einen Poeten, der glaubt, durch seine Reime und seine künstlerische Ausdrucksweise ein höheres Verständnis für das Leben zu besitzen. Der Poeten wird als jemand dargestellt, der sich in seiner "Narrheit" suhlt und dabei diejenigen verachtet, die ein einfaches, reimloses Leben führen. Der Poeten wird beschuldigt, sein Leiden und seine "Narrenqualen" als etwas Besonderes zu inszenieren, während er gleichzeitig diejenigen verhöhnt, die sich um ihre materiellen Bedürfnisse kümmern. Der Sprecher weist darauf hin, dass der Poeten sich nicht berechtigt fühlt, von den "braven Wanst" (einfachen Leuten) finanzielle Unterstützung für sein künstlerisches Schaffen zu erwarten. Stattdessen wird er aufgefordert, seine "Feste" (seine künstlerischen Ausbrüche) selbst zu bezahlen und nicht neidisch auf den materiellen Erfolg anderer zu sein. Das Gedicht endet mit einer scharfen Verurteilung des Poeten als "elendiger Hopsassa" und "Tschingterassa Bum", was seine künstlerische Tätigkeit als belanglos und lächerlich darstellt. Der Sprecher betont, dass der Poeten nicht das Recht hat, andere für seinen eigenen Lebensstil zu verurteilen oder zu beneiden. Das Gedicht ist eine Kritik an der Selbstüberschätzung und dem Anspruch von Künstlern, die glauben, durch ihre Kunst eine höhere Wahrheit zu verkörpern, während sie gleichzeitig diejenigen verachten, die ein einfaches, unprätentiöses Leben führen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Was du nur willst! Dieweil du reimen kannst und in beliebtem Hopsassa erzählst was dir zu Leids geschah, schmähst du auf jeden braven Wanst, der reimlos seine Wege geht und von der Narrheit nichts versteht, die dich, indes er ißt und trinkt, in schmerzliche Ekstase bringt und dich ekstatisch hungern läßt.
- Epitheton
- wohlgeratnen Kälber
- Hyperbel
- in schmerzliche Ekstase bringt und dich ekstatisch hungern läßt
- Ironie
- Dir ist dein Narrsein ja ein Fest!
- Kontrast
- So zahle deine Feste selber und neide nicht voll Prahlerei und widriger Phantasterei ihm seine wohlgeratnen Kälber
- Metapher
- braver Wanst
- Personifikation
- Narrheit nichts versteht
- Rhetorische Frage
- Er soll dir deine Narrenqualen etwa mit seinem Gelde zahlen?
- Tadel
- du elendiger Hopsassa und Tschingterassa Bum!