Das Heute
1825Das Heut ist einem jungen Weibe gleich. Schlag Mitternacht wird ihm die Wange bleich. Es schaudert. Einen vollen Becher faßt Es gierig noch und schlürft in toller Hast. Der üpp’ge Mund, indem er lechzt und trinkt, Entfärbt sich und verwelkt. Der Becher sinkt. Langsam zieht es den Kranz sich aus dem Haar. Das Haar ergraut, das eben braun noch war, Tief runzelt sich das schöne schuld’ge Haupt, Zusammenbricht das Knie, der Kraft beraubt. Die Horen kleiden dicht in Schleier ein Und führen weg ein greises Mütterlein.
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Interpretation
Das Gedicht "Das Heute" von Conrad Ferdinand Meyer beschreibt das Heute als ein junges Mädchen, das mit der Zeit altert und schließlich stirbt. Es beginnt mit einer lebhaften Jugend, die sich in einem vollen Becher ergießt, und endet mit einem alten, gebrechlichen Weib, das von den Horen in einen Schleier gehüllt wird. Das Gedicht verwendet starke Bilder und Metaphern, um den Lebenszyklus darzustellen. Die Vergleiche mit einem jungen Mädchen und einem alten Weib unterstreichen die Vergänglichkeit des Lebens. Der Becher, der zu Beginn noch voller Lebensfreude ist, wird am Ende leer und symbolisiert das Ende des Lebens. Die Horen, die das alte Weib in einen Schleier hüllen, stehen für die Schicksalsgöttinnen und symbolisieren den Tod. Das Gedicht vermittelt eine melancholische Stimmung und regt zum Nachdenken über die Vergänglichkeit des Lebens an.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Der üpp'ge Mund, indem er lechzt und trinkt
- Bildsprache
- Langsam zieht es den Kranz sich aus dem Haar. Das Haar ergraut, das eben braun noch war
- Hyperbel
- Es schaudert. Einen vollen Becher faßt Es gierig noch und schlürft in toller Hast
- Metapher
- Zusammenbricht das Knie, der Kraft beraubt
- Personifikation
- Die Horen kleiden dicht in Schleier ein Und führen weg ein greises Mütterlein