Das Herz

Daniel Caspar von Lohenstein

1838

Nicht zürne, daß mein Herz so heißen Brand ausübet, Weil deine Schönheit selbst der Flammen Zunder hegt, Schuld und Entschuldigung in ihren Augen trägt; Das Meer kann nicht dafür, daß sich der Himmel trübet,

Sich mit der Wolk′ umarmt, der Erde Dünste liebet. Die Sonn′ ist′s, die das Salz in allen Dingen regt, Der Klüfte Gluth beseelt, den Geist der Welt bewegt, So Schnee als Eise Brand, den Steinen Leben giebet.

Soll meine Seele nun entseelter, als ein Stein, Mein Herze frostiger, als Eiseszapfen sein? Es brennt und ist von Lieb′, als schmelzend Erz zerronnen.

Denn Lieb′ ist ja die Gluth der Seelen; sie erfüllt Mit Feuer unser Herz, das aus den Augen quillt. Die sind der Liebe Brunn, der Seele lichte Sonnen.

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Illustration zu Das Herz

Interpretation

Das Gedicht "Das Herz" von Daniel Caspar von Lohenstein handelt von der unausweichlichen Leidenschaft, die das Herz des lyrischen Ichs aufgrund der Schönheit des Gegenübers empfindet. Der Sprecher rechtfertigt die Hitze seines Herzens als natürliche Reaktion auf die Anziehungskraft der Geliebten, die selbst wie Zunder für die Flammen der Liebe ist. Die Schuld und Entschuldigung für diese Leidenschaft finden sich in den Augen der Geliebten, die sowohl verlockend als auch verantwortlich für das Entflammen des Herzens sind. In der zweiten Strophe zieht der Sprecher einen Vergleich zur Natur, um die Unvermeidlichkeit seiner Gefühle zu verdeutlichen. So wie das Meer nicht dafür verantwortlich gemacht werden kann, dass sich der Himmel trübt, wenn es sich mit Wolken umarmt und die Dünste der Erde liebt, so ist auch das Herz des Sprechers nicht schuld an seiner brennenden Liebe. Die Sonne wird als Metapher für die Kraft verwendet, die alles zum Leben erweckt und in Bewegung setzt, ähnlich wie die Liebe das Herz des Sprechers entflammt. Die letzte Strophe betont die Intensität der Liebe, die das Herz des Sprechers erfüllt und aus seinen Augen quillt. Die Liebe wird als die Glut der Seelen beschrieben, die wie eine Sonne in den Augen des Liebenden scheint. Das Herz wird mit schmelzendem Erz verglichen, das von der Liebe überwältigt und in Bewegung gesetzt wird. Die Augen des Sprechers werden als Quelle der Liebe und als lichte Sonnen der Seele bezeichnet, die die tiefe und leuchtende Natur seiner Gefühle widerspiegeln.

Schlüsselwörter

herz brand augen gluth seele lieb zürne heißen

Wortwolke

Wortwolke zu Das Herz

Stilmittel

Frage
Soll meine Seele nun entseelter, als ein Stein
Gleichnis
Das Meer kann nicht dafür, daß sich der Himmel trübet
Metapher
Die sind der Liebe Brunn, der Seele lichte Sonnen
Personifikation
Weil deine Schönheit selbst der Flammen Zunder hegt