Das Herz
1914Das wilde Herz ward weiß am Wald; O dunkle Angst Des Todes, so das Gold In grauer Wolke starb. Novemberabend. Am kahlen Tor am Schlachthaus stand Der armen Frauen Schar; In jeden Korb Fiel faules Fleisch und Eingeweid; Verfluchte Kost!
Des Abends blaue Taube Brachte nicht Versöhnung. Dunkler Trompetenruf Durchfuhr der Ulmen Nasses Goldlaub, Eine zerfetzte Fahne Vom Blute rauchend, Daß in wilder Schwermut Hinlauscht ein Mann. O! ihr ehernen Zeiten Begraben dort im Abendrot.
Aus dunklem Hausflur trat Die goldne Gestalt Der Jünglingin Umgeben von bleichen Monden, Herbstlicher Hofstaat, Zerknickten schwarze Tannen Im Nachtsturm, Die steile Festung. O Herz Hinüberschimmernd in schneeige Kühle.
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Interpretation
Das Gedicht "Das Herz" von Georg Trakl thematisiert die Zerbrechlichkeit und den Verfall der menschlichen Existenz. Die wilde Natur, symbolisiert durch das Herz, verblasst und wird weiß wie der Wald im Winter. Die Todesangst, dargestellt durch das sterbende Gold in den grauen Wolken, prägt die Novemberstimmung. Das Bild der armen Frauen, die am Schlachthaus auf faules Fleisch warten, unterstreicht die Tristesse und den Verfall. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Hoffnungslosigkeit weiter verstärkt. Die blaue Taube des Abends bringt keine Versöhnung, sondern nur der dunkle Trompetenruf durchfährt die Ulmen. Die blutige, rauchende Fahne symbolisiert den Krieg und das Leid. Der Mann, der in wilder Schwermut lauscht, verkörpert die Verzweiflung und Resignation angesichts der ehernen Zeiten, die im Abendrot begraben liegen. Im letzten Abschnitt tritt eine goldene Gestalt, eine junge Frau, aus dem dunklen Hausflur. Sie wird von bleichen Monden umgeben, die wie ein herbstlicher Hofstaat wirken. Die zerknickten schwarzen Tannen im Nachtsturm und die steile Festung verstärken die düstere Atmosphäre. Das Herz, das in schneeige Kühle hinüberschimmert, symbolisiert die Kälte und Einsamkeit, die am Ende des Gedichts vorherrschen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Daß in wilder Schwermut Hinlauscht ein Mann
- Kontrast
- Fiel faules Fleisch und Eingeweid; Verfluchte Kost!
- Metapher
- O Herz Hinüberschimmernd in schneeige Kühle
- Personifikation
- Umgeben von bleichen Monden
- Symbolik
- Des Abends blaue Taube