Das Haus am Meer
unknownHart an des Meeres Strande baut man ein festes Haus; als sollt′ es ewig dauern, so heben die trotz′gen Mauern sich in das Land hinaus.
Mächtige Hammerschläge erdröhnen schwer und voll; die Sägen knarren und zischen, verworren hört man dazwischen der Wogen dumpf Geroll.
Durch das Gebälke klettert ein rüst′ger Zimmermann; der Wind, der sich erhoben, zerreißt mit seinem Toben das Lied, das er begann.
Ich bin hineingetreten; daß solch ein Werk gedeiht; das ist an Gott gelegen; zu beten um seinen Segen, nehm′ ich mir gern die Zeit.
Die Fenster gehen alle hinaus auf die wilde See; noch sind sie nicht verschlossen, eine Möwe kommt geschossen durch das, an dem ich steh′.
Hier will der Bewohner schlafen; schon wird in dem luft′gen Raum die Bettstatt aufgeschlagen; da ahn′ ich mit stillem Behagen voraus gar manchen Traum.
Doch wende ich mein Auge, fällt′s auf gar manches Riff, ich sehe des Meeres Tosen, drüben im Grenzenlosen durchbricht den Nebel ein Schiff.
Wer ist′s denn, der am Strande, am öden, sein Haus sich baut? »Ein Schiffer; seit vielen Jahren hat er das Meer befahren, nun ist′s ihm lieb und vertraut.
′Dies ist die letzte Reise, ich fühl′ mich alt und müd′, daß ich mein Nest dann finde, hobelt und hämmert geschwinde!′ So sprach er, als er schied.
Jetzt kann er stündlich kehren, er ist schon lange fort, drum müssen wir alle eilen!« Des schwellenden Sturmwinds Heulen verschlingt des Zimm′rers Wort.
Die Wolken ballen sich dräuend, riesige Wogen erstehn, aufgerüttelt von Stürmen, schrecklich, wenn sie sich türmen, schrecklicher, wenn sie zergehn.
Das Schiff dort, kraftlos ringend, ihr Spiel jetzt, bald ihr Raub, muß gegen die Felsen prallen, schon hör′ ich den Notschuß fallen, was hilft es? Gott ist taub.
Ich fürchte, das ist der Schiffer, dem man dies Bett bestellt, der Zimm′rer mit dem Hammer befestigt die letzte Klammer, während das Schiff zerschellt.
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Interpretation
Das Gedicht "Das Haus am Meer" von Friedrich Hebbel erzählt von einem Haus, das direkt am Strand des Meeres gebaut wird. Der Sprecher betritt das Haus und reflektiert über den Bauprozess und die Absichten des Bewohners. Das Haus wird als ein Ort der Ruhe und des Rückzugs dargestellt, mit Fenstern, die auf das wilde Meer hinaussehen. Der Sprecher imaginiert die Träume, die der Bewohner in diesem Haus haben wird. Im zweiten Teil des Gedichts erfährt der Sprecher, dass der Bewohner ein Schiffer ist, der nach vielen Jahren auf See ein Haus am Meer bauen ließ, um dort seinen Lebensabend zu verbringen. Der Sprecher beobachtet, wie sich ein Sturm zusammenbraut und ein Schiff in Not gerät. Es wird deutlich, dass das Schiff dem Schiffer gehören könnte, der sein Haus am Meer gebaut hat. Das Gedicht endet mit der Vorstellung, dass der Schiffer möglicherweise gerade in seinem neuen Haus stirbt, während sein Schiff an den Felsen zerschellt. Die Interpretation des Gedichts könnte sich auf die Themen Heimkehr, Ruhestand und die Unberechenbarkeit des Lebens konzentrieren. Das Haus am Meer symbolisiert den Wunsch nach einem sicheren Hafen und einem Ort der Geborgenheit am Ende eines bewegten Lebens. Die Gegenüberstellung von dem stabilen Haus und dem stürmischen Meer sowie dem in Not geratenen Schiff könnte als Metapher für die menschliche Existenz verstanden werden - die Suche nach Stabilität und Sicherheit in einer unbeständigen und gefährlichen Welt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- mächtige Hammerschläge
- Bildsprache
- riesige Wogen erstehn, aufgerüttelt von Stürmen
- Enjambement
- als sollt's ewig dauern, / so heben die trotz'gen Mauern
- Ironie
- Gott ist taub
- Kontrast
- schrecklich, wenn sie sich türmen, schrecklicher, wenn sie zergehn
- Metapher
- hart an des Meeres Strande
- Personifikation
- der Wind ... zerreißt mit seinem Toben das Lied
- Symbolik
- das Haus am Meer als Symbol für die letzte Ruhestätte
- Vorahnung
- da ahn' ich mit stillem Behagen voraus gar manchen Traum
- Wiederholung
- schrecklich ... schrecklicher