Das große Feuerwerk
1918Das große Feuerwerk ist nun verpufft. Und, tausend losgespritzte Fünkchen, hängen Noch kleine Sterne in des Dunkels Fängen. Die Nacht ist lang.
Ich lehn’ am Baum und sinn’ am Himmel hin Und sehe wieder dünnen Sprühgoldregen Dem Teich enttanzen, sich vertropfend legen. Die Nacht ist lang.
Weiß ist mein Hut, mein Kleid ist leicht; mich friert. Bleich blühten Chrysantemen ob den Wellen, Zerrieselten in sieben ros’ge Quellen. Die Nacht ist lang.
Ich such’ die Bank und warte, hart geduckt. Es duckte sich die Schlange, pfiff im Sprunge Und zischte rasend auf mit glüher Zunge. Die Nacht ist lang.
Ich wärme meine starren Hände nicht. Aus Schwarz und Schimmer stieg ein Palmenfächer, Der zückte Silberspeere auf die Dächer. Die Nacht ist lang.
Mein Auge schläfert, aber unterm Lid Kreist noch das Sonnenrad mit leisem Singen, Und grüne Ringe gehn aus roten Ringen. Die Nacht ist lang.
Das große Feuerwerk ist längst verpufft. Zwölf Schläge tut es irgendwo im Weiten - Ich geh’ wohl heim, weil so die Füße schreiten. Du kommst nicht mehr.
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Interpretation
Das Gedicht "Das große Feuerwerk" von Gertrud Kolmar beschreibt die Nachwirkungen eines prächtigen Feuerwerks. Die Sprecherin lehnt an einem Baum und sinnt über den Himmel, während sie die letzten Funken des Feuerwerks beobachtet, die wie kleine Sterne in der Dunkelheit hängen. Die Nacht wird als lang empfunden, und die Sprecherin fröstelt in ihrem leichten Kleid und ihrem weißen Hut. Die Szene wird weiter ausgeschmückt mit Bildern von Chrysanthemenblüten, die sich in sieben rosarote Quellen auflösen, und einer Schlange, die sich duckt und zischt. Trotz der Kälte wärmt die Sprecherin ihre Hände nicht, sondern lässt sich von den verbleibenden Lichtern des Feuerwerks verzaubern. Sie sieht einen Palmenfächer aus Schwarz und Schimmer aufsteigen, der silberne Speere auf die Dächer schleudert. Die Augen der Sprecherin werden schwer, doch unter ihren Lidern kreist noch das Sonnenrad mit leisem Singen, und grüne Ringe gehen aus roten Ringen hervor. Die Nacht zieht sich noch immer in die Länge, und das Feuerwerk ist längst verpufft. Schließlich hört die Sprecherin zwölf Schläge irgendwo in der Ferne und beschließt, nach Hause zu gehen, da ihre Füße schmerzen. Doch der Schlussvers deutet an, dass die Person, auf die sie gewartet hat, nicht mehr kommen wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- sich vertropfend legen
- Bildsprache
- grüne Ringe gehn aus roten Ringen
- Hyperbel
- Der zückte Silberspeere auf die Dächer
- Kontrast
- Weiß ist mein Hut, mein Kleid ist leicht; mich friert
- Metapher
- Zwölf Schläge tut es irgendwo im Weiten
- Onomatopoesie
- pfiff im Sprunge
- Personifikation
- Mein Auge schläfert
- Wiederholung
- Die Nacht ist lang