Das Grab

Johann Gaudenz von Salis-Seewis

1793

Das Grab ist tief und stille, Und schauderhaft sein Rand; Es deckt mit schwarzer Hülle Ein unbekanntes Land.

Das Lied der Nachtigallen Tönt nicht in seinem Schoß; Der Freundschaft Rosen fallen Nur auf des Hügels Moos.

Verlaßne Bräute ringen Umsonst die Hände wund; Der Waise Klage dringen Nicht in der Tiefe Grund.

Doch, sonst an keinem Orte Wohnt die ersehnte Ruh′; Nur durch die dunkle Pforte Geht man der Heimat zu.

Das arme Herz, hienieden Von manchem Sturm bewegt, Erlangt den wahren Frieden Nur, wo es nicht mehr schlägt.

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Illustration zu Das Grab

Interpretation

Das Gedicht "Das Grab" von Johann Gaudenz von Salis-Seewis thematisiert den Tod als unausweichliches und geheimnisvolles Ende des Lebens. Die Tiefe und Stille des Grabes werden mit dunklen, schauderhaften Bildern beschrieben, die eine unbekannte, jenseitige Welt andeuten. Die Natur, symbolisiert durch die Nachtigallen und die Rosen der Freundschaft, erreicht das Grab nicht mehr, was die Endgültigkeit des Todes unterstreicht. Das Gedicht vermittelt auch die Trauer und den Schmerz der Hinterbliebenen, wie Bräute und Waisen, deren Klagen und Sehnsucht im Grab keinen Widerhall finden. Diese Bilder betonen die Einsamkeit und die Endgültigkeit des Todes, der alle irdischen Verbindungen und Gefühle beendet. Die Dunkelheit und das Unbekannte des Grabes werden als notwendiger Übergang zur wahren Heimat dargestellt. Abschließend wird der Tod als einziger Ort des wahren Friedens für das von Stürmen gepeinigte Herz beschrieben. Das Gedicht deutet an, dass der Tod nicht nur ein Ende, sondern auch eine Erlösung von den Leiden des Lebens ist. Der Friede, der im Grab gefunden wird, ist das Gegenteil des turbulenten Lebens, in dem das Herz ständig bewegt und belastet ist.

Schlüsselwörter

grab tief stille schauderhaft rand deckt schwarzer hülle

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Stilmittel

Bildsprache
Das arme Herz, hienieden / Von manchem Sturm bewegt, / Erlangt den wahren Frieden / Nur, wo es nicht mehr schlägt.
Hyperbel
Verlaßne Bräute ringen / Umsonst die Hände wund;
Kontrast
Doch, sonst an keinem Orte / Wohnt die ersehnte Ruh′; / Nur durch die dunkle Pforte / Geht man der Heimat zu.
Metapher
Das Grab ist tief und stille, / Und schauderhaft sein Rand; / Es deckt mit schwarzer Hülle / Ein unbekanntes Land.
Personifikation
Das Lied der Nachtigallen / Tönt nicht in seinem Schoß;
Symbolik
Der Waise Klage dringen / Nicht in der Tiefe Grund.