Das Grab der Scipionen
1893Wohin, o Wandrer, daß du die Appia So einsam hin, die hochummauerte, ziehst? Auf deiner Stirne seh′ ich Falten, Ernsthaft erscheinst du, und tiefen Trübsinn
Verräth dein suchend Auge. Gewahrst du sie, Die kleine Thüre, kennst du sie? tritt nur ein, Des Weinbergs schmale Mauertreppe Führt dich zum Grabe der Scipionen.
Hier ruht sie nun, die hohe Cornelia, Die mit Carthago′s trauerndem Lorbeer einst Ganz andre Treppen im Triumphe Kapitolinischen Siegestempeln
Entgegenwallte. Jubelnder Heere Zug, Festtrunkene Völker folgten dem Roßgespann, Der Aar vom Donnrer in den Himmeln Ueber den Häuptern der Herrn der Erde
Ragt′ er, ein Kampfgespiele von stolzer Art, Der über Asia, über Britania, Der Korsen Eiland und Lukania, Afrika′s Reiche den Fittig wölbte.
Jetzt steht die Nachwelt schweigend an ihrem Grab, Und schaurig dunkel, wie das Verhängniß selbst, Und stille, wie im Schattenlande, Schaun die Gemächer, die unterird′schen,
Voll Ewigkeit und schicksalgeheiligter Grabruhe dich im Scheine der Fackel an, Wo ruhm- und kampfsatt das gewalt′ge Römergeschlecht sich zum Grab gebettet.
In diesem Sarge ruht der Erobere Lukania′s: die Seele begrub der Leib In dem Gestein, und seine Inschrift Trugen die Götter ins ew′ge Buch ein.
Denn Männerkraft stirbt nie: und wenn Helden auch Geboren sind vom Weibe, sie sterben nicht, Es wartet ihrer der Olympus, Und ihr Olymp ist die Weltgeschichte.
Dort sind sie gleich den Sternen des Himmels fest In ihrer großen Ordnung gereiht: auch wenn Ihr Strahl Jahrhunderte durchflieget, Trifft er doch endlich noch unser Auge.
Nur daß dies Auge, sei es geklagt voll Schaam, Unwürdig oft der heiligen Strahlen ist, Die in ein Herz voll niedrer Wünsche, Oder ins Leere hinunterschauen.
Der Vorwelt war es Schande, so thatenlos Zu leben, Schand′ auch, niedriges bloß zu thun, Groß wollte sie die That, und eine Dünkt′ ihr nur groß, die dem Vaterlande,
Sich selbst aufopfernd, Segen und Heil gebracht; Nicht Lorbeer, aber Tugend erstrebte sie. Es sprach der weise Rath der Greise: Der ist der Beste, - das dünkt mir Lorbeer.
Darum, o Wandrer, komm in dies Grab herein, Nur nimm den kleinen Kummer nicht mit. Das ziemt Dir nicht: wo Scipionen schlafen, Sollst du erwachen, o Sohn der Nachwelt!
Den Sarkophag, aufschaudernd betracht′ ihn du, Mit einer Frage siehet er stumm dich an: Wenn du, o Mensch, dereinst gestorben, Sage, was gräbt in den Sarg man dir ein?
Antworte nicht! o gehe beschämt hinweg Aus diesem ew′gen Todtengemach, das dir Allein eng ist, doch nicht den großen Todten, die mehr, als du dachtest, thaten.
Und wenn dich außen wieder das Licht begrüßt, So sieh, wie schlicht und einfach der Weinberg grünt, Und wie am Grab noch junge Rosen, Selbst noch ein Lorbeer die Wand emporblüht.
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Interpretation
Das Gedicht "Das Grab der Scipionen" von Wilhelm Friedrich Waiblinger handelt von der Begegnung eines Wanderers mit dem Grab der Scipionen, einer einflussreichen römischen Familie. Der Wanderer wird von seinem ernsten und traurigen Aussehen angesprochen und in das Grab geführt. Dort wird er mit der Vergänglichkeit des Lebens und der Unsterblichkeit der Taten großer Männer konfrontiert. Das Gedicht betont die Bedeutung von Taten für das Vaterland und die Schande eines ziellosen Lebens. Der Wanderer wird aufgefordert, aus dem Grab mit neuer Inspiration und dem Bewusstsein für die Größe der Verstorbenen hervorzugehen. Das Gedicht schließt mit der Beschreibung der natürlichen Schönheit, die das Grab umgibt, und symbolisiert so die ewige Erinnerung an die großen Taten der Scipionen. Das Gedicht "Das Grab der Scipionen" von Wilhelm Friedrich Waiblinger ist eine eindringliche Reflexion über die Vergänglichkeit des Lebens und die Unsterblichkeit großer Taten. Der Wanderer, der das Grab der Scipionen besucht, wird mit der Erhabenheit der Verstorbenen konfrontiert und aufgefordert, aus ihrem Beispiel Inspiration zu schöpfen. Das Gedicht betont die Bedeutung von Taten für das Vaterland und die Schande eines ziellosen Lebens. Es fordert den Wanderer auf, aus dem Grab mit neuer Inspiration und dem Bewusstsein für die Größe der Verstorbenen hervorzugehen. Das Gedicht "Das Grab der Scipionen" von Wilhelm Friedrich Waiblinger ist eine eindringliche Reflexion über die Vergänglichkeit des Lebens und die Unsterblichkeit großer Taten. Der Wanderer, der das Grab der Scipionen besucht, wird mit der Erhabenheit der Verstorbenen konfrontiert und aufgefordert, aus ihrem Beispiel Inspiration zu schöpfen. Das Gedicht betont die Bedeutung von Taten für das Vaterland und die Schande eines ziellosen Lebens. Es fordert den Wanderer auf, aus dem Grab mit neuer Inspiration und dem Bewusstsein für die Größe der Verstorbenen hervorzugehen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Groß wollte sie die That
- Frage
- Sage, was gräbt in den Sarg man dir ein?
- Hyperbel
- Es wartet ihrer der Olympus
- Metapher
- Dieser ew′gen Todtengemach
- Personifikation
- Das Licht begrüßt