Das Grab am Busento

August von Platen

1820

Nächtlich am Busento lispeln bei Cosenza dumpfe Lieder; Aus den Wassern schallt es Antwort, und in Wirbeln klingt es wieder!

Und den Fluß hinauf, hinunter zieh′n die Schatten tapfrer Goten, Die den Alarich beweinen, ihres Volkes besten Toten.

Allzu früh und fern der Heimat mußten hier sie ihn begraben, Während noch die Jugendlocken seine Schulter blond umgaben.

Und am Ufer des Busento reihten sie sich um die Wette, Um die Strömung abzuleiten, gruben sie ein frisches Bette.

In der wogenleeren Höhlung wühlten sie empor die Erde, Senkten tief hinein den Leichnam, mit der Rüstung auf dem Pferde.

Deckten dann mit Erde wieder ihn und seine stolze Habe, Daß die hohen Stromgewächse wüchsen aus dem Heldengrabe.

Abgelenkt zum zweiten Male, ward der Fluß herbeigezogen: Mächtig in ihr altes Bette schäumten die Busentowogen.

Und es sang ein Chor von Männern: “Schlaf in deinen Heldenehren! Keines Römers schnöde Habsucht soll dir je dein Grab versehren!”

Sangen′s und die Lobgesänge tönten fort im Gotenheere; Wälze sie, Busentowelle, wälze sie von Meer zu Meere!

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Illustration zu Das Grab am Busento

Interpretation

Das Gedicht "Das Grab am Busento" von August von Platen ist ein historisches und melancholisches Werk, das sich mit dem Tod und der Bestattung des gotischen Königs Alarich I. beschäftigt. Das Gedicht schildert die Nacht, in der Alarich am Fluss Busento bei Cosenza begraben wurde, und vermittelt eine düstere und geheimnisvolle Atmosphäre. Die erste Strophe führt den Leser in die Szene ein, in der nächtliche Klänge und Lieder am Busento zu hören sind. Diese Klänge werden als dumpf und geheimnisvoll beschrieben, und sie hallen aus den Wassern wider, wodurch eine unheimliche Stimmung entsteht. Die zweite Strophe führt die Schatten tapferer Goten ein, die den Alarich beweinen und ihren besten Toten betrauern. Der König musste zu früh und fern seiner Heimat begraben werden, während seine blonden Haare noch seine Schulter umgaben. Die folgenden Strophen beschreiben die Bestattungszeremonie. Die Goten reihen sich am Ufer des Busento und graben ein frisches Bett, um die Strömung abzuleiten. In der leeren Höhlung wird der Leichnam mit seiner Rüstung auf dem Pferd tief hineingesenkt. Anschließend wird er mit Erde bedeckt, damit stolze Pflanzen aus dem Heldengrab wachsen können. Der Fluss wird dann zum zweiten Mal umgeleitet, und die Busentowogen strömen mächtig in ihr altes Bett. Das Gedicht endet mit einem Chor von Männern, die ein Loblied auf Alarich singen und ihm einen heldenhaften Schlaf wünschen. Sie betonen, dass keine römische Habsucht sein Grab je entweihen wird. Die Lobgesänge hallen im gotischen Heer wider, und die Busentowellen werden aufgefordert, sie von Meer zu Meer zu tragen. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Atmosphäre der Trauer, des Heldentums und der ewigen Erinnerung an den gefallenen König.

Schlüsselwörter

busento fluß bette erde wälze nächtlich lispeln cosenza

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Stilmittel

Alliteration
Nächtlich am Busento lispeln bei Cosenza dumpfe Lieder
Anapher
Und den Fluß hinauf, hinunter zieh′n die Schatten tapfrer Goten
Bildsprache
Aus den Wassern schallt es Antwort, und in Wirbeln klingt es wieder
Hyperbel
Keines Römers schnöde Habsucht soll dir je dein Grab versehren
Metapher
Mächtig in ihr altes Bette schäumten die Busentowogen
Personifikation
Wälze sie, Busentowelle, wälze sie von Meer zu Meere
Synästhesie
Und es sang ein Chor von Männern: "Schlaf in deinen Heldenehren!"
Vergleich
Während noch die Jugendlocken seine Schulter blond umgaben