Das Glückselige Berlin

Christian Friedrich Hunold

1713

Du Welt-gepriesenes Berlin/ Erlauchter Sitz der Herrlichkeiten! Dein Glantz ist allen vorzuziehn/ Und deinem Glücke nichts zur Seiten. Die Freude stimmt auch heute bey: Daß alles unvergleichlich sey.

Dein Thron ist Salomonis Thron/ Dein König jenem gleich erlesen; Nur daß er glücklicher im Sohn Als ehmahls Salomo gewesen: Voraus da dieser Sohn anitzt/ Den Thron mit einem Erben stützt.

In Adlers Blut ist Krafft und Geist/ Denn solches steiget zu den Sternen/ Wie es dein Cron-Printz dir verheist/ Der seinem Vater folgen lernen: Und der/ nach welchem Er sich nennt/ Von Friedrich Wilhelms Tugend brennt.

Du bist der große Königs-Sitz/ Die Weißheit wohnt in deinen Gassen. Allein/ weiß deiner Redner Witz/ Dein Glück in Worten abzufassen/ Dein Glück das sich/ wie sehr es blüht/ Auf künfftig schon befestigt sieht?

Gewiß der Himmel der dich liebt/ Und dir in deines Königs Leben/ So große Gnaden-Zeichen giebt/ Will Ihm itzt einen Enckel geben: Damit Sein Reich/ das ungemein/ Zugleich unendlich möge seyn.

Betrachte deinen Zustand nur/ Und sieh/ wie manche Häuser sterben; Da dir hingegen deine Chur Hat Kronen wissen zu erwerben. Da Friedrich deinen Thron erhöht; Indeß daß mancher untergeht.

Ja da viel unbeerbet sind/ Läst Gott dir Lebens-Erben schauen. Dein Friedrich siehet Kindes-Kind/ Was Er gebauet/ fort zu bauen. Worinnen Ihm kein König gleich; Als der nur aus dem Liljen Reich.

O komm/ und eile zum Altar/ Dem Höchsten dafar Danck zu sagen! Der mach′ auch allen Glückwunsch wahr/ Den wir für dich im Hertzen tragen! Dein König/ Cron-Printz und sein Hauß. Sey groß/ und sterbe nimmer aus.

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Illustration zu Das Glückselige Berlin

Interpretation

Das Gedicht "Das Glückselige Berlin" von Christian Friedrich Hunold ist eine Lobpreisung der Stadt Berlin und ihrer Herrscherfamilie. Es vergleicht Berlin mit dem Thron Salomons und preist den König als ebenso auserwählt wie Salomo, mit dem zusätzlichen Glück eines erbberechtigten Sohnes. Die Stadt wird als Sitz der Weisheit und des Glücks dargestellt, deren Strahlkraft und Wohlstand unübertroffen sind. Das Gedicht betont die Kontinuität und Zukunftssicherheit der Herrscherlinie, insbesondere durch den Kronprinzen, der seinem Vater nacheifert und von dessen Tugenden erfüllt ist. Es prophezeit die Geburt eines Enkels, der das Reich unermesslich und unendlich machen wird. Die Gegenüberstellung von Berlins blühendem Geschick mit dem Untergang anderer Häuser unterstreicht die göttliche Gunst, die der Stadt und ihrer Herrscherfamilie zuteilwird. Abschließend ruft das Gedicht dazu auf, zum Altar zu eilen und dem Höchsten für die Segnungen zu danken, und wünscht dem König, dem Kronprinzen und ihrem Haus Größe und ewige Fortdauer. Es ist ein Ausdruck tiefer Verehrung und Hoffnung auf eine glorreiche Zukunft unter der Führung der preußischen Herrscher.

Schlüsselwörter

thron könig friedrich sitz allen sey gleich sohn

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Stilmittel

Alliteration
Daß alles unvergleichlich sey
Anapher
Dein Glantz ist allen vorzuziehn/ Und deinem Glücke nichts zur Seiten
Hyperbel
Und deinem Glücke nichts zur Seiten
Metapher
Du Welt-gepriesenes Berlin/ Erlauchter Sitz der Herrlichkeiten!
Parallelismus
Dein König/ Cron-Printz und sein Hauß. Sey groß/ und sterbe nimmer aus
Personifikation
Die Freude stimmt auch heute bey
Symbolik
In Adlers Blut ist Krafft und Geist
Vergleich
Dein Thron ist Salomonis Thron/ Dein König jenem gleich erlesen