Das Glück und die Weisheit
1782Entzweit mit einem Favoriten Flog einst Fortun′ der Weisheit zu: “Ich will dir meine Schätze bieten, Sei meine Freundin du!
Mit meinen reichsten schönsten Gaben Beschenkt′ ich ihn so mütterlich, Und sieh, er will noch immer haben, Und nennt noch geizig mich.
Komm Schwester, laß uns Freundschaft schließen, Du marterst dich an deinem Pflug, In deinen Schoß will ich sie gießen, Hier ist für dich und mich genug.”
Sophia lächelt diesen Worten, Und wischt den Schweiß vom Angesicht; “Dort eilt dein Freund, sich zu ermorden, Versöhnet euch, ich brauch′ dich nicht.”
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Interpretation
Das Gedicht "Das Glück und die Weisheit" von Friedrich von Schiller handelt von einem Konflikt zwischen den beiden allegorischen Figuren Glück (Fortun) und Weisheit (Sophia). Das Glück, enttäuscht von seinem Favoriten, der trotz reicher Gaben immer noch mehr verlangt, wendet sich der Weisheit zu und bietet ihr seine Schätze an. Es schlägt eine Freundschaft vor, da es genug für beide geben würde. Die Weisheit jedoch lehnt das Angebot ab. Sie lächelt über die Worte des Glücks und wischt sich den Schweiß vom Angesicht, was ihre harte Arbeit symbolisiert. Sie weist darauf hin, dass der Favorit des Glücks sich gerade selbst ins Verderben stürzt und dass sich das Glück und sein Favorit wieder versöhnen sollen. Die Weisheit betont, dass sie das Glück nicht braucht und ihren eigenen Weg geht. Das Gedicht vermittelt die Botschaft, dass Glück und Weisheit unterschiedliche Wege gehen und dass die Weisheit unabhängig und selbstständig ist. Es kritisiert die Gier und den unstillbaren Hunger nach mehr, der oft mit dem Glück einhergeht. Die Weisheit hingegen wird als fleißig und zufrieden dargestellt, die ihren eigenen Pflug bestellt und nicht auf das Glück angewiesen ist.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Und sieh, er will noch immer haben, Und nennt noch geizig mich
- Kontrast
- Du marterst dich an deinem Pflug, In deinen Schoß will ich sie gießen
- Metapher
- mütterlich
- Personifikation
- Fortun′ der Weisheit zu
- Rhetorische Frage
- Versöhnet euch, ich brauch′ dich nicht
- Symbolik
- Schweiß vom Angesicht