Das Gewitter

Johann Peter Hebel

1760

Der Vogel schwankt so tief und still, er weiß nit, woner ane will. Es chunnt so schwarz, und chunnt so schwer, und in de Lüfte hangt e Meer voll Dunst und Wetter. Los, wie’s schallt am Blauen, und wie’s widerhallt. In große Wirble fliegt der Staub zum Himmel uf, mit Halm und Laub, und lueg mer dört sel Wülkli a! I ha ke große Gfalle dra; lueg, wie mers usenander rupft, wie üser eis, wenn’s Wulle zupft. Se helfis Gott, und bhüetis Gott! Wie zuckt’s dur’s Gwülch so füürig rot, und ’s chracht und stoßt, es isch e Gruus, aß d’Fenster zitteren und ’s Hus. Lueg ’s Bübli in der Waglen a! Es schloft, und nimmt si nüt drum a. Sie lüte z’Schlienge druf und druf, je, und ’s hört ebe doch nit uf. Sel bruucht me gar, wenn’s dundere soll, und ’s lütet eim no d’Ohre voll. - O, helfis Gott! - Es isch e Schlag! Dört siehsch im Baum am Gartehag? Lueg, ’s Bübli schloft no alliwil und us dem Dundere macht’s nit vil. Es denkt: ‘Das ficht mi wenig a, er wird jo d’Auge binem ha.’ Es schnüfelet, es dreiht si hott ufs ander Öhrli. Gunn der’s Gott! O, siehsch die helle Streife dört? O los! Hesch nit das Raßle ghört? Es chunnt. Gott wellis gnädig si! Göhnt weidli, hänket d’Läden i! ’s isch wieder akurat wie fern. Gut Nacht, du schöni Weizenern. Es schettert uffem Chilchedach; und vorem Hus, wie gäutscht’s im Bach, und ’s loßt nit no - daß Gott erbarm! Jez simmer wieder alli arm. - Zwor hemmer au scho gmeint, ’s seig so, und doch isch ’s wieder besser cho. Lueg, ’s Bübli schloft no allewil, und us dem Hagle macht’s nit viel! Es denkt: ‘Vom Briege loßt’s nit no, er wird mi Teil schon übrig lo.’ He jo, ’s het au, so lang i’s ha, zu rechter Zit si Sächli gha. O gebis Gott e Chindersinn! ’s isch große Trost und Sege drinn. Sie schlofe wohl und traue Gott, wenn’s Spieß und Nägel regne wott, und er macht au si Sprüchli wohr mit sinen Englen in der Gfohr. - Wo isch das Wetter ane cho? D’Sunn stoht am heitre Himmel do. ’s isch schier gar z’spot, doch grüß di Gott! “He”, seit sie, “nei, ’s isch no nit z’spot; es stoht no menge Halm im Bah und menge Baum, und Öpfel dra.” - Potz tausig, ’s Chind isch au verwacht. Lueg, was es für e Schnüüfeli macht! Es lächlet, es weiß nüt dervo. Siehsch, Friederli, wie’s ussieht do? - Der Schelm het no si Gfalle dra. Gang, richt em eis si Päppli a!

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Illustration zu Das Gewitter

Interpretation

Das Gedicht "Das Gewitter" von Johann Peter Hebel beschreibt eindrucksvoll den Verlauf eines Gewitters und die unterschiedlichen Reaktionen darauf. Es beginnt mit der Ankündigung des Unwetters durch die Natur, die Vögel und die verdunkelten Himmel. Die Spannung steigt, als der Sturm sich ankündigt, Staub und Blätter in die Luft wirbelt und das Gewitter mit Blitz und Donner einsetzt. Im Mittelpunkt steht ein schlafendes Kind, das unbeeindruckt vom Lärm und der Gefahr weiterschläft. Dieses Kind symbolisiert die Unschuld und das Vertrauen in eine höhere Macht, die es beschützt. Es denkt, dass es, selbst wenn etwas passiert, noch genug vom Leben haben wird und dass Gott es beschützen wird. Diese kindliche Naivität und das unerschütterliche Vertrauen in Gott werden als Trost und Stärke dargestellt. Nach dem Sturm klärt der Himmel auf, und die Sonne scheint wieder. Doch das Kind ist aufgewacht und verwundert über die veränderte Welt. Das Gedicht endet mit einer liebevollen Aufforderung, dem Kind ein Puppen zu geben, um es zu trösten und zu beschäftigen. Insgesamt vermittelt das Gedicht die Botschaft, dass auch in schwierigen Zeiten das Vertrauen in Gott und die Unschuld der Kinder Trost und Hoffnung spenden können.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

Wortwolke zu Das Gewitter

Stilmittel

Anapher
lueg mer dört sel Wülkli a! I ha ke große Gfalle dra; lueg, wie mers usenander rupft, wie üser eis, wenn's Wulle zupft.
Enjambement
Und lueg mer dört sel Wülkli a! I ha ke große Gfalle dra;
Hyperbel
Und 's chracht und stoßt, es isch e Gruus, daß d'Fenster zitteren und 's Hus.
Personifikation
Sie lüte z'Schlienge druf und druf, je, und 's hört ebe doch nit uf.
Vergleich
Wie zuckt's dur's Gwülch so füürig rot, und 's chracht und stoßt, es isch e Gruus, daß d'Fenster zitteren und 's Hus.